Mit fünf Looks seiner Herbst-/Winter-Kollektion 2026/27 hat Jean Paul Gaultier der additiven Fertigung einen Platz auf dem Pariser Laufsteg verschafft. Die Kollektion markiert das Couture-Debüt von Duran Lantink als Kreativdirektor und stellt Kleidungsstücke in den Mittelpunkt, die den menschlichen Körper neu formen.
ROMI, verantwortlich für die gedruckten Stücke der Kollektion, wandte sich für deren Fertigung an den französischen 3D-Druckdienstleister Sculpteo. Gedruckt wurde in PA12 und flexiblem TPU: die strukturellen Elemente im HP-Multi-Jet-Fusion-Verfahren (MJF), die Schuppen für Look 19 im SLS-Verfahren.
Look 7, das deformierte Bustier, traf frisch aus dem Drucker in rohem TPU im Pariser Atelier von Matisse Di Maggio ein. Zuerst kamen Schliff und Grundierung, dann das Latexbad: Für das lebensechte Finish wurde die Büste wiederholt in ein Becken mit Latex getaucht, das genau auf den Hautton des Models abgestimmt war. Sommersprossen und Muttermale wurden von Hand aufgemalt, die Brustwarzen wurden separat in Latex gegossen und anschließend aufgebracht.
Look 11 ist das 3D-gedruckte Guipure-Kleid. Sowohl das Oberteil als auch die kuppelförmige Rockstruktur entstanden im Drucker; anschließend brachte Maison du Flock die Oberfläche in Handarbeit auf und legte die Fasern direkt auf die Schale.
Look 26 begann mit einem 3D-Scan des Modelkörpers. Dieser Scan wurde anschließend in einer 3D-Modellierungssoftware überarbeitet: Tierartige Auswüchse wuchsen so lange, dass sie einem Torso einer gefiederten Schlange gleich wurden. Sculpteo druckte das Ergebnis in einzelnen TPU-Segmenten aus, die zu einem einzigen Exoskelett zusammengefügt wurden. Der Pariser Federschmuckmacher Maison Février überzog das Ganze schließlich mit rosafarbenen Federn.
Was der 3D-Druck für die Kollektion tatsächlich geleistet hat
Das Muster wiederholt sich bei allen fünf Looks: Der Drucker schuf die Form, die Ateliers machten daraus Couture. Für ein Haus wie Gaultier bedeutet das den Zugang zu einer Geometrie, die sich mit Schere und Nadel nicht erzeugen ließe, und das in einem Zeitplan, der keinen Raum für Versuch und Irrtum lässt.
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*Titelbildnachweis: Franklin Headen, Yannis Vlamos, Jean Paul Gaultier.