MyMiniFactory übernimmt Thingiverse: Ein Wendepunkt im 3D-Dateimarkt

Das sind große Neuigkeiten für die gesamte 3D-Druck-Community und den Markt insgesamt: MyMiniFactory hat Thingiverse vollständig übernommen. Die beliebte kostenlose Plattform für 3D-Dateien gehörte zuvor UltiMaker, nachdem es mehrere strategische Veränderungen zwischen MakerBot und Stratasys gegeben hatte – dazu im Folgenden mehr. Die 8 Millionen Nutzer:innen von Thingiverse werden nun Teil des MyMiniFactory-Netzwerks, das bereits mehr als 100 Millionen US-Dollar an seine Designer:innen ausgeschüttet hat.

Mit diesem Schritt wird Thingiverse zu einer SoulCrafted-Plattform. Die SoulCrafted-Bewegung stellt Objekte in den Mittelpunkt, die mit Intention, Emotion und einem hohen Maß an Personalisierung gestaltet werden – im Gegensatz zur standardisierten Massenproduktion. Angetrieben von Technologien wie dem 3D-Druck fördert sie eine lokale, bedarfsgerechte und nachhaltigere Fertigung und stärkt die Verbindung zwischen Nutzer:innen und den Objekten, die sie schaffen. Ziel ist es, den Designer:innen auf Thingiverse wieder mehr Wertschätzung zu geben und ihre Arbeit aufzuwerten – so wie MyMiniFactory es auf der eigenen Plattform bereits getan hat.

Die Erfolgsgeschichte von Thingiverse

Diese Übernahme ist besonders bemerkenswert, denn Thingiverse ist bis heute die größte 3D-Dateiplattform auf dem Markt. Um ihre Bedeutung vollständig zu verstehen, müssen wir 17 Jahre zurückgehen. 2008 startete MakerBot eine offene Bibliothek für STL-Dateien, über die Nutzer kostenlos druckbare 3D-Modelle teilen konnten. Die Plattform wuchs rasant und wurde Teil der RepRap-Bewegung, die für Zusammenarbeit und die offene Weiterentwicklung von Designs steht.

2013 übernahm Stratasys MakerBot, womit Thingiverse indirekt in den Besitz des Herstellers überging. Die Plattform wuchs weiter und überschritt die Marke von einer Million geteilten Modellen. Allerdings stieß sie auch an gewisse Grenzen, insbesondere aufgrund der zunehmenden Konkurrenz von Plattformen wie Printables und Cults.

2022 fusionierte MakerBot mit Ultimaker, wodurch Thingiverse unter das Management von UltiMaker kam und neuen Auftrieb erhielt. Die Performance wurde verbessert, die Benutzeroberfläche modernisiert und die Integration mit Cura weiter ausgebaut. Doch was hat letztlich zu der heutigen Übernahme geführt?

MyMiniFactory übernimmt Thingiverse

In den vergangenen vier Jahren hat sich das Marktumfeld spürbar verändert. Insbesondere die Entwicklung von KI hat die Spielregeln neu definiert. Kreative suchen zunehmend nach Anerkennung für ihre Arbeit und möchten den Menschen wieder stärker in den Mittelpunkt ihres Schaffens rücken. Romain Kidd, der neue CEO von Thingiverse, erklärt:

Es geht darum, welche Art von Internet und welche Zukunft wir wollen. KI-generierte Inhalte sind heute überall und bedrohen die Lebensgrundlage vieler kreativer Menschen. Seit dem Start von SoulCrafted sehen wir deutlich, dass es einen echten Bedarf an Orten gibt, an denen menschliche Arbeit geschätzt und geschützt wird. Thingiverse wird einer dieser Orte sein.

Durch den Zusammenschluss mit MyMiniFactory kann Thingiverse auf ein bewährtes Modell setzen: ein designerzentriertes Geschäftsmodell, das Einnahmen an die eigene Community zurückführt. Die Plattform bietet hochwertige STL-Dateien an, die entweder einzeln oder über monatliche Creator-Abonnements erworben werden können. Dieses Modell stellt sicher, dass Designer für ihre Arbeit fair entlohnt werden. Aktuell zählt MyMiniFactory nahezu eine Million zahlende Kunden.

Erwähnenswert ist zudem, dass die Plattform 2024 YouMagine übernommen hat und mit Scan the World ein Open-Source-Museum betreibt, das Tausende kulturell bedeutende, in 3D digitalisierte Objekte zugänglich macht.

Was ändert sich dadurch?

Die Grundidee von Thingiverse, 3D-Dateien frei zu teilen, bleibt bestehen. Mit der Übernahme werden jedoch neue Geschäftsmodelle für Kreative eingeführt, wobei SoulCrafted-Inhalte stärker in den Fokus rücken als KI-generierte Inhalte. Arys Andreou, neuer Director of Technology bei Thingiverse, ergänzt: „Ich möchte dazu beitragen, dass Thingiverse zu einem wertvollen, verlässlichen und vertrauenswürdigen Werkzeug wird – sowohl für erfahrene Ingenieur:innen als auch für Einsteiger:innen im 3D-Druck.“

Wer mehr erfahren möchte, kann am 17. Februar um 18 Uhr an einer Live-Q&A-Session von MyMiniFactory und Thingiverse teilnehmen. Registrieren können Sie sich HIER. Die Veranstaltung bietet zudem die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und die Zukunft der Plattform mitzugestalten.

Was halten Sie von der Übernahme von Thingiverse durch MyMiniFactory? Lassen Sie uns dazu gerne einen Kommentar da, oder teilen Sie uns Ihre Meinung auf Facebook, und LinkedIN mit. Möchten Sie außerdem eine Zusammenfassung der wichtigsten Neuigkeiten im 3D-Druck und der Additiven Fertigung direkt und bequem in Ihr Postfach erhalten? Dann registrieren Sie sich jetzt für unseren wöchentlichen Newsletter.

Mélanie W.: Diplômée de l'Université Paris Dauphine, je suis passionnée par l'écriture et la communication. J'aime découvrir toutes les nouveautés technologiques de notre société digitale et aime les partager. Je considère l'impression 3D comme une avancée technologique majeure touchant la majorité des secteurs. C'est d'ailleurs ce qui fait toute sa richesse.
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