Die künftige Kirche von Neratovice entsteht im 3D-Druck

In Neratovice in Tschechien entsteht derzeit eine der vermutlich größten 3D-gedruckten Kirchen weltweit. Noch befindet sich das Projekt in der Bauphase, die Fertigstellung ist für 2028 geplant. Dann sollen die Dreifaltigkeitskirche und das Gemeindezentrum Kardinal Josef Beran ihre Türen öffnen.

Kirchenschiff, Turm und Pfarrhaus werden dabei mithilfe des 3D-Drucks errichtet. Die für das Projekt verantwortliche Stiftung des Gemeindezentrums von Neratovice entschied sich für dieses Fertigungsverfahren, weil sich damit die organischen Formen des Architekten Zdeněk Fránek ohne herkömmliche Schalungen umsetzen lassen. Dazu gehören unter anderem geschwungene Wände und gewölbte, ovale Strukturen.

Visualisierung des fertigen Projekts

Drei Einsatzmöglichkeiten des 3D-Drucks beim Kirchenbau

Bei diesem Bauprojekt kommt der 3D-Betondruck auf drei unterschiedliche Arten zum Einsatz – eine Kombination, die das Vorhaben besonders macht:

  • Für das Kirchenschiff werden 870 unterschiedliche Bauteile im 3D-Druckverfahren hergestellt, die sowohl als passgenaue, sogenannte verlorene Schalung dienen. Anschließend werden sie durch Bewehrungselemente miteinander verbunden und durch Stahlbetonrippen sowie Ringbalken ergänzt. Die Innenseiten der gedruckten Bauteile verleihen den Wänden eine besondere Oberflächenstruktur und tragen zur Akustik des Gebäudes bei.
  • Der Turm wird aus 3D-gedruckten Blöcken errichtet, die vor Ort mit Beton verfüllt werden. Da an seiner Außenfassade eine Kletterwand vorgesehen ist, muss die Konstruktion besonders massiv und stabil sein.
  • Das Pfarrhaus wird schließlich von einem Roboter direkt vor Ort auf der Baustelle gedruckt.

Die Unternehmensgruppe HSF System ist für die Leitung des Bauprojekts verantwortlich, während ihre Tochtergesellschaft Coral Construction Technologies den 3D-Betondruck übernimmt. Der Geschäftsführer von Coral Construction Technologies Tomáš Kosa erklärt: „Bei einer herkömmlichen Bauweise würden derart geschwungene Wände eine große Menge an speziell angefertigten Schalungen erfordern, die zunächst hergestellt, dann montiert und anschließend wieder entfernt werden müssten. Hier hingegen können wir die Geometrie direkt in einem digitalen Modell vorbereiten und für die Fertigung der einzelnen Bauteile nutzen.“

Die Bauarbeiten haben begonnen: Die Vorteile des 3D-Drucks werden bereits sichtbar.

Damit ist ein außergewöhnliches Bauprojekt angelaufen. Ziel ist es, nicht nur eine Kirche zu errichten, sondern auch einen Ort der Begegnung für die Pfarrgemeinde zu schaffen, deren Einzugsgebiet 13 Gemeinden umfasst. Geplant sind unter anderem Besprechungsräume, eine Galerie, Ausstellungsflächen und ein Café. So soll das Gebäude künftig sowohl für Hochzeiten als auch für Konzerte genutzt werden können.

Die erste Bauphase, die den Rohbau des Hauptgebäudes umfasst, soll bis Mitte 2027 abgeschlossen sein. Im zweiten Bauabschnitt folgen der Turm, das Pfarrhaus und die abschließenden Ausbauarbeiten. Die Projektverantwortlichen hoffen, den gesamten Komplex Ende 2028 eröffnen zu können. Bis dahin ist also noch etwas Geduld gefragt. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie HIER.

Was halten Sie von dieser 3D-gedruckten Kirche?

*Bild: HSF System

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