{"id":51598,"date":"2023-11-21T00:01:05","date_gmt":"2023-11-20T23:01:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/?p=51598"},"modified":"2023-11-14T15:13:42","modified_gmt":"2023-11-14T14:13:42","slug":"working3d-sechs-fragen-an-einen-material-engineer-211120231","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/working3d-sechs-fragen-an-einen-material-engineer-211120231\/","title":{"rendered":"#Working3D: Sechs Fragen an einen Material Engineer f\u00fcr additive Fertigung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es ist mal wieder Zeit f\u00fcr einen neuen Artikel aus der Reihe <strong>#Working3D<\/strong>, einer <a href=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/category\/interviews\/\">Interview-Serie<\/a>, in der wir die verschiedenen Berufe in der additiven Fertigungsindustrie vorstellen. Ohne Material, kein Druck &#8211; aus diesem Grund werfen wir dieses Mal einen genaueren Blick auf die T\u00e4tigkeiten der Menschen, die hinter dem Material stehen und dieses entwickeln. Was genau machen Ingenieure, die f\u00fcr Werkstoffe zust\u00e4ndig sind? Welche Kompetenzen und Erfahrungen bringen sie mit, damit 3D-Druckmaterialien entstehen und f\u00fcr die additive Fertigung in den verschiedensten Bereichen angewendet werden k\u00f6nnen? Diesen Fragen sind wir im Gespr\u00e4ch mit Markus Lunzer nachgegangen, Team Leader f\u00fcr\u00a0 Materials &amp; Application beim Wiener Unternehmen UpNano GmbH. Er ging darauf ein, was ein Material Engineer mitbringen muss und wie sein Alltag in seiner T\u00e4tigkeit bei UpNano aussieht.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">3DN: K\u00f6nnten Sie sich kurz vorstellen?<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-51602 alignleft\" src=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/Markus-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"151\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/Markus-scaled.jpg 1920w, https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/Markus-450x600.jpg 450w, https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/Markus-900x1200.jpg 900w, https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/Markus-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/Markus-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/Markus-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/Markus-160x213.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 151px) 100vw, 151px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Name ist Markus Lunzer. Ich habe Technische Chemie an der TU Wien mit einem besonderen Fokus auf Synthesechemie studiert. Im Rahmen meiner Dissertation habe ich mich mit Photopolymerisation und durch Licht spaltbare Hydrogele besch\u00e4ftigt. Nach Abschluss meines Studiums habe ich 2019 in der Materialentwicklung beim damals neu gegr\u00fcndeten 2-Photonen-3D-Druckunternehmen <a href=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/upnano-3d-mikrodruck-040120211\/\">UpNano<\/a> GmbH begonnen, bei dem ich nun nach mittlerweile vier Jahren das Material- und Applikations-Team leite.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">3DN: Wann und wie haben Sie die additive Fertigung f\u00fcr sich entdeckt?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend meiner Masterarbeit habe ich Molek\u00fcle synthetisiert, die sich aufgrund ihrer Struktur besonders als Photoinitiatoren f\u00fcr die 2-Photonen-Polymerisation (2PP) eigneten. Das ist eine besonders hochaufl\u00f6sende <a href=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/3d-technologies\/\">3D-Drucktechnologie<\/a>, bei der ein gepulster Laser zum Einsatz kommt und mit der es m\u00f6glich ist, Bauteile mit Aufl\u00f6sungen im sub-Mikrometerbereich zu fertigen. Beim Testen dieser Molek\u00fcle auf damals noch experimentellen Maschinen an der Universit\u00e4t habe ich erkannt, wie spannend diese Technologie ist und wie viel Potential als Fertigungstechnologie in ihr steckt. Also habe ich beschlossen, mich in meiner Dissertation n\u00e4her mit der Anwendung der Technologie zu besch\u00e4ftigen, aber dennoch den Materialentwicklungsaspekt beizubehalten. Ich habe dann an Hydrogelen f\u00fcr die biomedizinische Forschung gearbeitet, die man unter Verwendung der 2PP sehr hochaufgel\u00f6st spalten kann, um z.B. Mikrokan\u00e4le zu erzeugen oder reaktive chemische Gruppen lokal freizulegen.<\/p><div class=\"dnati-inside-article\" id=\"dnati-3414862448\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/us06web.zoom.us\/webinar\/register\/3017742609846\/WN_qTQJLgBdT7qM81bWlSiRdQ\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"LB (2)\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2026\/03\/LB-2.gif\" alt=\"\"  width=\"850\" height=\"150\"   \/><\/a><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Nachteil der hohen Aufl\u00f6sung der <a href=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/3d-druck-im-mikro-und-nanobereich-durch-zwei-photonen-polymerisation-2pp-190920231\/\">2PP<\/a> war allerdings, dass sie relativ langsam war, da ein Druck-Bauteil aus vielen winzigen Voxel aufgebaut wurde. Um diese Zeit herum wurde aber im Rahmen eines Forschungsprojekts an der TU Wien am Prototyp eines wesentlich schnelleren 2PP Systems gearbeitet. Diese Maschine war die Grundlage f\u00fcr die Gr\u00fcndung der UpNano GmbH. Hiermit war es pl\u00f6tzlich m\u00f6glich, wesentlich schneller zu drucken und damit auch in f\u00fcr diese Technologie ungeahnte Gr\u00f6\u00dfen vorzusto\u00dfen, n\u00e4mlich den cm-Bereich und darunter.<\/p>\n<div id=\"attachment_51604\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-51604\" class=\"wp-image-51604 size-full\" src=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/169.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/169.jpg 700w, https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/169-600x343.jpg 600w, https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/169-160x91.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><p id=\"caption-attachment-51604\" class=\"wp-caption-text\">Mit der 2-Photonen-Polymerisation k\u00f6nnen Bauteile im Sub-Mikrobereich 3D-gedruckt werden. (Bild: Rainer Fehringer)<\/p><\/div>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">3DN: Was ist Ihre derzeitige Rolle bei UpNano? Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich leite das Material- und Applikations-Team bei UpNano. Zusammen mit meinem Team entwickeln wir neue 3D-Druck-Materialien sowie Anwendungsprozesse und realisieren Machbarkeitsstudien zusammen mit (potentiellen) Kunden. Eine weitere wichtige T\u00e4tigkeit ist auch die Produktion und <a href=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/working3d-sechs-fragen-an-eine-spezialistin-fuer-qualitaetssicherung-260920231\/#!\">Qualit\u00e4tskontrolle<\/a> des bestehenden Materialportfolios. Da wir in einem Hochtechnologiebereich t\u00e4tig sind, gibt es auch viel Interaktion mit Kunden und Anwendern. Nachdem unsere Kunden quer \u00fcber den Globus verstreut sind, ergeben sich so auch einige interessante Reisen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">3DN: Welche Kenntnisse und Erfahrungen sind f\u00fcr die Arbeit als Material Engineer erforderlich?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Anwendungen unserer 2PP Technologie sind au\u00dferordentlich spannend, da sie viele verschiedene wissenschaftliche und technische Bereiche abdecken. Wir haben Kunden, die integrierte <a href=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/mikrofluidisches-3d-bioprinting-der-schluessel-zur-besseren-reproduktion-zellulaerer-strukturen-030520221\/\">mikrofluidische<\/a> Devices f\u00fcr die In-vitro-Fertilisation drucken, daneben welche, die Mikro-Optiken oder winzige Bauteile f\u00fcr medizinische Ger\u00e4te fertigen und wieder andere, die mit <a href=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/3dstartup-bio-inx-ueber-die-entwicklung-innovativer-biotinten-021120231\/\">Hydrogelen<\/a> an 3D-Zellkulturen f\u00fcr die pharmazeutische Forschung arbeiten. Ich kann sagen, dass ich Wissen aus allen Bereichen, die ich im Rahmen meines breiten Studiums kennengelernt habe, auch in meiner Arbeit anwenden kann. Es gibt Kunden, f\u00fcr die sind Druckmaterialien mit bestimmten Charakteristiken, wie z.B. definierten mechanischen Eigenschaften wichtig. Andere ben\u00f6tigen wiederum m\u00f6glichst farblose Materialien oder m\u00f6chten am Ende des Fertigungsprozesses Bauteile aus <a href=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/keramik-3d-druck-ein-wachsender-nischenmarkt\/\">Keramik<\/a> oder Glas erhalten. Hierf\u00fcr ist viel Detailwissen in der Materialherstellung aber auch in der Analytik und Metrologie n\u00f6tig.<\/p>\n<div id=\"attachment_51605\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-51605\" class=\"wp-image-51605 size-full\" src=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/170.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/170.jpg 700w, https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/170-600x343.jpg 600w, https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/170-160x91.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><p id=\"caption-attachment-51605\" class=\"wp-caption-text\">Zusammen mit Kunden entwickelt Lunzer mit seinem Team neue 3D-Druck-Materialien und Anwendungsprozesse. (Bild: UpNano)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei einem gro\u00dfen Anteil unserer Kunden handelt es sich auch um Spitzenforscher aus dem akademischen Bereich. Wir arbeiten an einer hochinnovativen Technologie, die gerade stark im Forschungsfokus steht. Insofern ist es wichtig, sich auch mit den aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen im 2PP Bereich auseinanderzusetzen. Das wissenschaftliche Arbeiten m\u00f6chte ich nicht missen. Wir sind mit unserem Team in mehreren spannenden und<a href=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/hu3dinks-expertenteam-schafft-biotinten-fuer-3d-druck-160820231\/\"> hochaktuellen Forschungsprojekten<\/a> von Krebsforschung \u00fcber Biomedical Engineering zu hochpr\u00e4zisen Fertigungstechniken involviert. Durch wissenschaftliche Publikationen k\u00f6nnen wir die St\u00e4rke unserer Technologie einem breiteren Publikum bekannt machen und das Potential der 2PP unter Beweis stellen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">3DN: Was sind Ihrer Meinung nach die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen bei Ihrer T\u00e4tigkeit als Material Engineer?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ziel ist immer eine verl\u00e4ssliche und universelle L\u00f6sung f\u00fcr eine Fragestellung zu entwickeln, denn wir m\u00f6chten einen soliden Prozess f\u00fcr die industrielle Fertigung anbieten. Oft zeigen sich Herausforderungen erst in einem fortgeschrittenen Produktentwicklungsstadium, da unsere Anwendung sehr breit ist und wir Gr\u00f6\u00dfenordnungen vom <a href=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/nanodruck-1604201\/\">Nanometer- in den Zentimeter-Bereich<\/a> abdecken. Hier gilt es, diese Herausforderungen zu erkennen, die Ursachen zu identifizieren und dann entsprechend mit Know-how zu beheben. Ich bin sehr froh, mit einem Team von ausgesprochen talentierten und begeisterten Menschen zusammenzuarbeiten. Viele L\u00f6sungen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit unserem Software- und Hardware-Team, da die drei Bereiche Material, Software und Hardware im 3D-Druck so eng verkn\u00fcpft sind.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">3DN: Welchen Rat w\u00fcrden Sie jemandem geben, der als Material Engineer arbeiten m\u00f6chte?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist immer gut, \u00fcber die neuesten Trends und Entwicklungen Bescheid zu wissen. Wenn man gerade frisch aus der Ausbildung kommt, ist aber mitunter auch ein gewisses Umdenken notwendig. In der Forschung wird oft versucht, das anfangs schier Unm\u00f6gliche m\u00f6glich zu machen. Das ist sehr oft beeindruckend und ein wichtiger Anreiz f\u00fcr viele sp\u00e4teren Entwicklungen. In der Industrie geht es aber auch darum, verl\u00e4ssliche und stabile L\u00f6sungen f\u00fcr ein Problem zu schaffen. Oft zeigt sich dann, dass die einfachere L\u00f6sung, nicht nur die effizientere, sondern auch die brauchbarere und universellere ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_51607\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-51607\" class=\"wp-image-51607 size-full\" src=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/172.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/172.jpg 700w, https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/172-600x343.jpg 600w, https:\/\/www.3dnatives.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/172-160x91.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><p id=\"caption-attachment-51607\" class=\"wp-caption-text\">Herausforderungen erkennen, Ursachen ausmachen, L\u00f6sungen vorschlagen &#8211; das geh\u00f6rt beim Entwickeln neuer Materialien f\u00fcr den 3D-Druck zum Tagesgesch\u00e4ft eines Material Engineers. (Bild: Rainer Fehringer)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was halten Sie von der T\u00e4tigkeit eines Material Engineers f\u00fcr additive Fertigung? Lassen Sie uns gerne einen Kommentar da, oder teilen Sie es uns auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/3Dnativesde\/\">Facebook<\/a>\u00a0oder\u00a0<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/groups\/13502336\/\">LinkedIN<\/a>\u00a0\u00a0mit. M\u00f6chten Sie au\u00dferdem eine Zusammenfassung der wichtigsten Neuigkeiten im 3D-Druck und der additiven Fertigung direkt und bequem in Ihr Postfach erhalten? 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