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Wie act’ble den Spitzenschuh neu erfindet

Am 18. August 2026 von Carol S. veröffentlicht

Professionelle Balletttänzerinnen benutzen jedes Jahr hunderte Paar Spitzenschuhe. Könnte der 3D-Druck das ändern? Das deutsche Start-up act’ble ist davon überzeugt.

Das Ballett entstand im 15. und 16. Jahrhundert in Europa, doch erst im 19. Jahrhundert verstärkten italienische Schuhmacher den Spitzenschuh, und an seiner Konstruktion hat sich seither kaum etwas verändert. Bis heute werden Spitzenschuhe überwiegend in Handarbeit gefertigt.

Tänzerinnen müssen jedes Paar eintanzen, polstern und anpassen; bei Profis ist die Sohle oft schon nach einem einzigen Tag durchgeweicht. Damit zählen Spitzenschuhe zur teuersten und am wenigsten nachhaltigen Ausrüstung im Ballett.

Genau hier setzt act’ble an: Das Karlsruher Unternehmen wendet sich vom handwerklichen Erbe des Balletts ab und einer Technologie zu, die leisten kann, was jahrhundertelanges Handwerk nicht vermochte: der additiven Fertigung. Das Ergebnis ist ein modularer Schuh, der sich auffrischen lässt, statt komplett ersetzt werden zu müssen.

Ein modularer Spitzenschuh

Der Schuh von act’ble besteht aus drei Komponenten: einer 3D-gedruckten Sohle, einem gestrickten Skin und dem Schnürsystem. Kernstück ist die 3D-gedruckte Innensohle aus Hochleistungs-TPU. Einschnitte unterteilen die Sohle in einzelne Segmente, sodass sie sich bei flachem Fuß frei biegen lässt. Richtet sich die Tänzerin auf, treffen die Segmente aufeinander und verriegeln sich. Die Sohle versteift sich genau in dem Moment, in dem das Gewicht auf ihr lastet.

Um die Sohle herum liegt ein gestrickter „Skin“, der sich wie eine Socke überziehen lässt und den Druck von den Zehen nimmt, indem er ihn auf den gesamten Fuß verteilt. Die dritte Komponente ist das Lacing-System: Unter dem Skin verborgen, rastet es in der Sohle ein und umschließt den Fuß, sodass dieser gestützt und das Gewicht von den Zehen genommen wird.

Von der Abschlussarbeit zur Serienfertigung

Gründerin Sophia Lindner ist ehemalige Balletttänzerin: 14 Jahre lang tanzte sie, bevor sie Design studierte. 2018 entwickelte sie für ihre Bachelorarbeit einen Prototyp namens React. Als Produkt war er nie gedacht, doch Tänzerinnen, Choreografen und Tanzmediziner:innen, die ihn ausprobierten, sahen das anders. Also machte sie weiter. Es folgten über hundert Designiterationen, wobei alle paar Tage ein neuer 3D-gedruckter Prototyp aus der Maschine kam.

Die Fertigung hat sich seither verändert. Als act’ble 2022 mit 3Dnatives sprach, wurden die Sohlen noch lasergesintert. Heute läuft die Produktion im HP-Multi-Jet-Fusion-Verfahren bei Something Added, einem Barceloner Unternehmen, das auf additive Fertigung für Schuhe spezialisiert ist.

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*Bild: act’ble

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