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#Startup3D: wie Think3DDD AM für die Herstellung von Orthesen für Tiere nutzt

Am 7. Juni 2022 von Bianca Z. veröffentlicht

Der 3D-Druck findet sich im medizinischen Bereich auch mit immer größer werdenden Fokus auf jenen der Orthesen– und Prothesenherstellung wider. Durch die additive Fertigung können diese somit vollständig an die Morphologie eines jeden einzelnen Patientens angepasst werden – auch an unsere tierischen Freunde. Dadurch kommen großartige Vorteile zustande: eine immense Vereinfachung der einzelnen Schritte im Herstellungsprozess wie auch die Anpassung an die individuellen medizinischen Bedürfnisse. Das in Berlin ansässige Start-Up Think3DDD hat diese Vorteile ebenfalls erkannt und beschäftigt sich seit 2018 unter anderem mit der Herstellung von Stützmanschetten für Tiere aus dem 3D-Drucker – nachhaltig, kostengünstig und individuell. Wir haben uns mit Tino Jacobi, Gründer und Geschäftsführer von Think3DDD, zusammengesetzt und uns über seine Verbindung zur additiven Fertigung, den 3D-Druckprozess wie auch über zukünftige Pläne mit seinem Unternehmen unterhalten.

3DN: Können Sie sich und Think3DDD vorstellen?

Gründer und Geschäftsführer Tino Jacobi mit seinem Hund Kibo (Bild: Think3DDD)

Ich interessiere mich schon sehr lange für neue Technologien und deren interdisziplinäre Einsatzmöglichkeiten. Erstmals kam ich während meines Abiturs mit Fokus auf Informatik und Chemie mit 3D-Druck in Kontakt. Ich habe damit mehrere Ersatzteile und Unterrichtsmodelle für das Oberstufenzentrum Lise Meitner konstruiert. Darauf folgten einige Jugend-forscht-Projekte, wie die Feinstaubanalyse von FFF 3D-Druckern und das Anpassen und Designen einer Tierschiene. Besonders begeistern mich an den 3D-Technologien die vielseitige Einsetzbarkeit, die hohe Materialauswahl, die materialsparende Fertigung und die flexiblen Anpassungsmöglichkeiten. Wird die 3D-Scan-Methode geschickt mit intelligenter automatisierter Software und innovativen Materialien kombiniert, können innovative und einzigartige Produkte entstehen. Weil mich die nahezu endlosen Möglichkeiten der 3D-Technologien faszinieren, habe ich mein Hobby zu meinem Beruf gemacht. Gemeinsam mit Leonardo Lauer habe ich Think3DDD als 3D-Druck Dienstleister gegründet. Unser Fokus liegt vor allem auf Ersatzteilen, die nicht mehr hergestellt werden, wie zum Beispiel für Oldtimer, Kleinstserien und Modelle für Forschungseinrichtungen. Dadurch erhalten wir immer wieder spannende Einblicke in die verschiedensten Forschungen und Entwicklungen. Dabei übernehmen wir nicht immer nur die Fertigung, sondern auch das Modelldesign und die Materialberatung. Think3DDD hat zunehmend auch eigene Produkte entwickelt. Mittlerweile bieten wir neben den 3D-Services auch individuelle 3D-gedruckte Heilmanschetten für Mensch und Tier, Masken und antimikrobielle Türklinken an. Unsere Produktpalette wächst immer weiter, wobei uns am wichtigsten ist, unsere Produkte anwendernah und umweltbewusst zu entwickeln.

3DN: Wie wurde die Idee von Think3DDD geboren? Können Sie gezielt auf Ihre tierischen Kunden eingehen?

Entstanden ist die Idee der individuellen Heilmanschetten für Tiere direkt durch einen Hundepatienten. Murphy, der Mischlingshund von unserem damaliger Kooperationspartner für 3D-Druck Materialien, hatte sich durch einen Biss in den Hinterlauf das Bein gebrochen. Er bekam daraufhin einen Verband von Tierarzt. Dieser stützte aber leider nicht ausreichend und führte auch schnell zu Hautreizungen und Entzündungen. Wir sahen deutlich, wie sich Murphy mit dem Verband quälte. Das Risiko einer Operation sollte nicht eingegangen werden, zudem der einfache Bruch von allein verheilen könnte. Daher entstand unsere erste VET orthi. Besonders faszinierend war für uns, dass Murphy mit unserer Orthese plötzlich lief, als wenn er keinen Bruch hätte. Die Entzündungen gingen zurück und der Bruch verheilte relativ schnell von allein. Aufgrund dieser Erfahrung suchen wir nach immer passenderen Technologien und Materialien für unsere Orthesen. Bisher haben wir hauptsächlich Hunde und Katzen behandelt. Vereinzelt gab es auch schon andere Anfragen aus dem Tier- und Humanbereich. Tiere werden von uns in der Regel am Vorder- oder Hinterlauf behandelt. Die typisch behandelbaren Krankheitsbilder sind dabei ähnlich wie bei Menschen Knochenbrüche, Zerrungen, Arthrose und chronische Laufbeschwerden. In besonders schwierigen Fällen wie bei Gelenkbrüchen, Bänderrissen oder schweren Knochenbrüchen kann unsere Orthese auch stützend nach einer Operation eingesetzt werden. Zudem haben wir auch schon einzelne Prothesen hergestellt.

Per Handy scannen, mittels einer 3D-Druck-Software bearbeiten und anschließend 3D-drucken – so lautet der Prozess bei Think3DDD (Bild: Think3DDD)

3DN: Wie sieht der Prozess bei der Erzeugung des VET orthi aus?

Der gesamte Prozess dieser maßgeschneiderten Schiene kann in 3 Schritte unterteilt werden. Zuerst wird das zu behandelnde Körperteil eingescannt. Dazu wird das Körperteil mit gemusterten Haftbandagen eingewickelt. Mittels eines beliebigen Smartphones nimmt der Tierarzt oder Tierbesitzer ein 360-Grad Video des Körperteils auf. Aus dem Video berechnet unsere Software automatisch das digitale dreidimensionale Abbild. Im zweiten Schritt wird von uns mit einem selbst entwickeltem halbautomatischem CAD-Programms die VET orthi an das Abbild angepasst. Dabei achten wir unter anderem auf die Angaben des Tierarztes zur Art der gewünschten Stützung. Zum Beispiel, soll die Orthese sehr stabil oder eher etwas flexibel sein und wo soll eine Schwellung geschützt werden. Zudem sind all unsere Modelle für das einfachste 3D-Druckverfahren optimiert. So werden beispielsweise keine Stützstrukturen benötigt und Material und Produktionszeit gespart. Zum Schluss wird das digitale Modell mit einem semiflexiblen recycelbaren oder kompostierbaren Material im 3D-Drucker hergestellt. Nach eventuellen kleinen Nachbearbeitungen kann die VET orthi direkt vom tierischen Patienten getragen werden. Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Orthesen liegt vor allem in der sehr guten Belüftung des Fells und der Haut, was Hautreizungen und Entzündungen vorbeugen hilft. Auch das Gewicht der Orthesen ist sehr gering und eine Reinigung leicht möglich. Die meisten unserer tierischen Patienten akzeptieren auf Grund dieser und weiterer Vorteile unsere Stützungsmaßnahme sehr schnell. Und sollte dennoch mal eine VET orthi zerbissen werden, kann diese einfach wieder im 3D-Drucker reproduziert werden.

So entsteht eine tierische Stützmanschette mit additiver Fertigung (Bild: Think3DDD)

3DN: Haben Sie schon Pläne für die Zukunft für Think3DDD?

Zum Einem erweitern wir unsere Produktpalette gerade auch in der Veterinärmedizin. Das bedeutet, unsere VET orthi Varianten werden immer komplexer durch flexible und frei bewegliche Gelenke. Dadurch können wir auch Tiere mit komplexeren Fällen behandeln. Zudem arbeiten wir weiter an der Automatisierung, um unsere Veterinärprodukte noch schneller und ortsunabhängiger anzufertigen. Außerdem ist ein online erreichbares System in Arbeit, dass den 3D-Druck-Service für Kleinstaufträge mit Standardmaterialien erschwinglich macht. Durch gezielte Automatisierung können dann auch reine 3D-Druckaufträge von zum Beispiel Privatpersonen kostengünstig ermöglicht werden. Unser derzeit größtes Projekt ist jedoch die Ausgründung von 3D-Medico. Wir entwickeln hier ein aufeinander abgestimmtes und intuitives Anpassungs- und Produktionssystem für Orthopädie- und Rehatechniker. Auch dessen spätere Ausweitung auf weiteres medizinisches Fachpersonal ist vorstellbar. Dadurch wird es möglich, dezentral unsere individuellen Orthesen, Prothesen, Einlagen vor Ort in jedem Fachbetrieb medizinkonform digital anzupassen und zu fertigen. Dazu bieten wir den 3D-Scan mittels Smartphone-Video, die Anpassung via intuitiver 3D-CAD-Software, sowie die Fertigung mit dem einfachsten 3D-Druck-Verfahren und recycelbaren Materialien an. Als Endprodukt haben wir hier bereits die sogenannte Orthimale als Orthese im Handbereich entwickelt. Vision dieses Projektes ist es, jedem eine alltagstaugliche Behandlung mit individuellen Orthesen nachhaltig anbieten zu können!

3DN: Haben Sie abschließende Worte für unsere Leserschaft?

Als interdisziplinäres, junges und internationales Team sind wir immer auf der Suche nach weiteren Kooperationen und Teammitgliedern. Wenn Du also Anwender von orthetischen Hilfsmitteln bist oder als (Nachwuchs-)Forschender Interesse an einem Austausch hast, kontaktiere uns einfach oder folge uns auf LinkedIn. Suchst Du nach einem Praktikum, einer Bachelor-/Masterarbeit oder einen Job, stehen unsere Türen für Dich offen. Schau gerne auf unserer Job-Seite nach passenden Ausschreibungen oder bewirb Dich gerne auch jederzeit initiativ. Wir bieten unseren Praktikanten eine Teamintegration auf Augenhöhe und sehr viel praktische Erfahrung an mit Option auf eine längere Zusammenarbeit. Zum Abschluss noch als Tipp am Rande: Wenn sich Dir eine Chance bietet, Dein Hobby zu Deinem Beruf zu machen, nutze sie! Du wirst es nicht bereuen!

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*Titelbildnachweis: Think3DDD

Ein Kommentar

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  1. Vielen Dank für den Artikel! Ich bin auf der Suche nach einer Orthese für meinen Hund. Daher ist es gut zu wissen, dass die Firma hier sich darauf spezialisiert. Besonders der Aspekt der Nachhaltigkeit gefällt uns – auch wenn man für sein Haustier natürlich das beste will.

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