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Startup des Monats: BIOMODEX und der 3D-Druck von Organen

Auf 28. April 2017 von Raphael S. veröffentlicht
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Der 3D-Druck hat in den letzten Jahren viele interessante Startups hervorgebracht, aus denen zum Teil sehr erfolgreiche Firmen wurden. Jeden Monat gibt es hier auf 3Dnatives das Startup des Monats, eine Rubrik für die interessanten Ideen, Entwicklungen und Innovationen in allen Facetten der Branche. Das Startup für den März war ONO mit ihrem Mini-3D-Drucker, der nur durch ein Smartphone und dessen Display funktioniert. Für diesen Monat haben wir eine Firma, die sich in einem ganz anderen Bereich spezialisiert hat: BIOMODEX revolutioniert die chirurgische Welt. Nachdem die beiden Gründer realisiert haben, dass Fehler in medizinischen Eingriffen die dritthäufigste Todesursache in den USA ist, haben sie sofort nach einer Lösung für dieses Problem gesucht. Herausgekommen ist ein Startup, welches den 3D-Druck nutzt, um reale Organmodelle zum Training von Chirurgen herzustellen und somit das Risiko eines Fehlers während der OP reduziert. Wir haben den Mitbegründer Thomas Marchand getroffen und mehr über das Startup erfahren.

Können Sie uns BIOMODEX kurz vorstellen?

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Thomas Marchand

Wir sind ein französische Startup aus Paris und Boston zur Entwicklung von synthetischen Organen, die von Patienten abgebildet und anschließend 3D gedruckt werden. Heutzutage ist ein Training unter realen Bedingungen zwingend notwendig, mit BIOMODEX können sich die Ärtze auf bestimme Eingriffe präoperativ vorbereiten. Dieses Projekt ist aus einem Treffen mit meinem Mitbegründer Sidarth Radjou entstanden, da er sich damit beschäftigt hat, die Tomografie (bzw. Bildaufzeichnung) von Organen für den 3D-Druck zu verbessern. Ich selbst habe zu diesem Zeitpunkt an meiner Masterarbeit mit folgendem Thema gearbeitet: „3D-Druck in der Gesundheitsindustrie, welche Möglichkeiten gibt es?“. 15 Tage nach unserem Treffen war unsere Zusammenarbeit selbstverständlich.

Was ist Ihre Rolle bei BIOMODEX und die Verbindung zum 3D-Druck

Unsere Aufgabe ist es, das chirurgische Training in zweierlei Hinsicht zu verbessern: Bei der einen Achse unserer Arbeit müssen wir Organe, wie zum Beispiel ein Ohr, und deren komplexe Anatomie (Gehörknochen bzw. inneres Ohr) sowie mögliche Traumata (Fraktionen) reproduzieren. Das bietet eine echte Alternative im Vergleich zu chirurgischen Szenarios die ungenau und nicht zufriedenstellend sind, das sind vor allem Tranings an Patienten oder anatomischen Körperteilen von toten Menschen bzw. Tieren, welche ebenfalls ethische Probleme hervorrufen.

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Die andere Achse stellt die Entwicklung von präoperativen Trainings dar. Über eine Webplattform kann der behandelnde Arzt medizinische Bilder von Scannern, MRT (Magnetresonanztomografie) oder Ultraschall hochladen. Einige Tage später erhält das Krankenhaus dann das synthetische Organ von BIOMODEX mit dem er trainieren, die richtige Herangehensweise ausprobieren und die korrekte Behandlung bzw. Prothese (in Bezug auf Größe und Position) finden kann. Aufgrund der gesundheitlichen Vorteile für die Patienten setzen wir uns enorm für die personalisierte Medizin ein und hoffen, die Risiken bei einer OP wesentlich zu minimieren.

Im kommenden Jahr planen wir 1.000 synthetische Organe zu drucken, hauptsächlich in den Vereinigten Staaten.

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Wie stellt ihr die Modelle für Mediziner her?

BIOMODEX hat eine eigene, patentierte Technologie genannt INVIVOTECH. Dabei nutzen wir das Bildmaterial aus der Behandlung (Scanner, MRT oder Ultraschall) und nach einigen Schritten haben wir ein künstliches Organ reproduziert, welches genauso wie ein echtes auf medizinische Eingriffe reagiert. Der Kern unserer Technologie ist die Herstellung eines Verbundmaterials, das die Eigenschaften von menschlichem Gewebe hat, egal ob hart oder weich. Wir sind in der Lage einen kompletten Knöchel mit allen anatomischen Elementen zu 3D drucken, dazu zählen Haut, Knochen, Bändern, Sehnen, Knorpel, usw.

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Wir sind sehr froh darüber die Unterstützung des 3D Experience Labs in unseren ersten Jahren bekommen zu haben, denn ohne die Mentoren von Dassault Systems wäre die Entwicklung von BIOMODEX mit Sicherheit nicht so verlaufen. Darüber hinaus verschafft uns dieser hochrangige Support einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil um der weltweite Marktführer in dieser Industrie zu werden.

Welche zukünftigen Entwicklungen stehen BIOMODEX bevor?

Nachdem wir bereits Modelle in der HNO-Medizin und in der Orthopädie entwickelt haben, wird sich der Fokus in den kommenden Jahren auf vaskuläre und kardiovaskuläre Bereiche konzentrieren. Herzkrankheiten und -probleme sind die häufigste Todesursache auf der Welt, und BIOMODEX kann eine entscheidende Rolle spielen, um dem entgegenzuwirken. Wir werden von einigen der besten Chirurgen begleitet und unterstützt, als da sind Professor Jacques Moret, Professor Alain Cribier und Professor Jean-Pierre Becquemin. Diese Referenzen schaffen Vertrauen auf dem internationalen Markt, und mit deren Hilfe werden wir anhand von wissenschaftlichen Studien und Publikationen beweisen, dass wir Medizinern ein besseres Training ermöglichen und das Risiko bei OPs senken können.

Hier die Simulation einer Knöchel Athroskopie:

Wie sehen Sie die Zukunft von 3D Operationen?

Wir sehen vorher, dass personalisierte Heilverfahren eine Revolution in der Chirurgie sein werden, um Patienten risikobewusster und effizienter zu behandeln. Das erreichen wir durch den 3D-Druck, der den wichtigsten Aspekt mit sich bringt: Einfache Anpassung bei geringen Kosten.

Haben Sie noch ein letztes Wort an unsere Leser?

Heutzutage sieht es für den 3D-Druck Markt eher düster aus, nicht zuletzt wegen des wertmäßigen Rückgangs großer Firmen and der Börse in den USA seit 2012 oder der Streichung von 50% der Arbeitsplätze bei Makerbot. Nichtsdestotrotz muss man zuversichtlich für diese revolutionäre Technologie bleiben. Nach dem ganzen Hype um den 3D-Druck sind wir jetzt in der Phase der Marktkorrektur angelangt. Wir wechseln von einer Nachfrage nach Rapid Prototyping in eine Ära der Massenproduktion. BIOMODEX möchte eine der ersten Firmen für die industrielle Fertigung von synthetischen Organen sein.

Im folgenden Video stellt Thomas Marchand das Startup auf der CES in Las Vegas vor:

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