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Sarco: 3D-gedruckte Suizidkapsel in der Schweiz zugelassen

Am 8. Dezember 2021 von Regina P. veröffentlicht

Es ist ein Thema, das seit Jahrzehnten hitzig diskutiert wird: die Sterbehilfe oder der assistierte Suizid. Dabei ist die Gesetzeslage in jedem europäischen Land eine andere. Wer sich einen Überblick über die geltenden Bestimmungen verschaffen will, muss nicht nur zwischen den Begriffen wie Freitod, aktiver und passiver Sterbehilfe, assistiertem Suizid, etc. unterscheiden können, sondern auch die länderspezifischen Sorgfaltskriterien kennen. Fakt ist, dass immer mehr Länder die Sterbehilfe im Gesetz neu regeln. Allein im Jahr 2021 wurde die Gesetzeslage in Spanien und Österreich zugunsten des Zugangs zur Sterbehilfe neu definiert. In der Schweiz ist der assistierte Suizid nicht nur für die Schweizer selbst, sondern auch für Personen aus dem Ausland legal. Eine 3D-gedruckte Suizidkapel wurde hier nun als eine neue Möglichkeit zugelassen. 

In der Schweiz gibt es mit Exit und Dignitas zwei große Vereine, die Personen beim assistierten Suizid begleiten. Sterbewillige Personen, werden nach einer ärztlichen Abklärung von einem Freitodbegleiter bis zur eigenständigen Einnahme einer rezeptpflichtigen Substanz begleitet. In der Regel wird flüssiges Natrium-Pentobarbital in einem Glas Wasser eingenommen. Die Person fällt in den Schlaf, nach zwei bis fünf Minuten in ein tiefes Koma, bis sie wenig später stirbt. Eine neue Alternative zu diesem Prozess soll “Sarco” bieten: ein im 3D-Druck hergestellter Euthanasie-Pod auch angeführt als Sterbehilfe-Maschine. 

Sarco – die 3D-gedruckte Maschine mit ansprechendem Design

Die Idee dem assistierten Suizid einer Maschine zu überlassen stammt vom Australier Dr. Philip Nitschke. Jahrelang hat der selbsterklärte Euthanasie-Aktivist überlegt, wie der Stempel des “Todesengels” und der dadurch entstehende Druck von den Ärzten und pflegendem Personal genommen werden kann. Für ihn war klar, dass sterbewillige Personen autonom den Suizid durchführen können sollen, ohne dabei auf Hilfe angewiesen zu sein oder auf inhumane Sterbemethoden zurückzugreifen. Mit seiner Idee wandte er sich schließlich an den niederländischen Produktdesigner Alexander Bannink, um gemeinsam den Sarco zu konzipieren. Im Fokus der Entwicklung stand laut Bannink das Design von Sarco, welches im ersten Moment an eine Schlafkapsel aus einem Science-Fiction Streifen oder einen utopischen Sarg erinnert. 

Die Funktionsweise von Sarco solle auf Grund des Produktdesign selbsterklärend sein, damit die Methode weltweit Anklang finden kann. Hergestellt wurden die ersten Sarco Prototypen mit einem Bigrep Studio. Die Initiative gibt an, dass für die Fertigung biologisch abbaubarer Holzamalgam verwendet wird. Der obere Teil der Kapsel kann zudem abgenommen und als Sarg verwendet werden. Laut Angabe von Bannink, biete der Einsatz des 3D-Drucks zur Herstellung von Sarco nicht nur designspezifische Vorteile, sondern reduziere auch die Assistenz menschlicher Arbeit zur Fertigung der Kapsel. Ziel sei es das Produktdesign kommerziell zu vertreiben. Die Kapsel könne dann am Wunschort hergestellt werden.

Wie stirbt Mensch mit dieser Kapsel?

Ein wesentlicher Vorteil der Kapsel sei die Möglichkeit, diese überallhin transportieren zu können. So sollen sterbewillige Personen dazu in der Lage sein, ihren Todesort frei wählen zu können. Sobald Sarco installiert wurde, betritt die Person die Kapsel, schließt die Türen und aktiviert mit einem Knopf den Vorgang. Der Innenraum wird dann mit Stickstoff geflutet, wodurch sich der Sauerstoffgehalt von 21 auf 1 Prozent reduziert. Dadurch verliere der Mensch das Bewusstsein innerhalb von 30 Sekunden. Die Erfahrung rufe keine Panik hervor, im Gegenteil: die Person fühlt sich womöglich desorientiert und euphorisch. Dann setzt der Tod nach 5-10 Minutren durch Hypoxie und Hypokapnie ein.

Bisher gibt es noch keine offiziellen Angaben zum Vertrieb von Sarco. Dr. Philip Nitschke ist jedoch optimistisch, dass Sarco im nächsten Jahr in der Schweiz zur Verfügung stehen wird. Aus behördlicher Sicht stehe der Nutzung der Kapsel nichts im Wege. Ein „Sarco“ Prototyp ist noch bis Februar 2022 im Museum für Sepulkralkultur im deutschen Kassel zu sehen. Weitere Informationen zu Sarco finden Sie HIER

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Kommentare

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  1. Tobias Claren sagt:

    Warum wird weltweit teures und seltenes Helium eingesetzt, wenn auch Stickstoff geht?
    Auch die Versuche der Betäubung von Schweinen wurden mit Helium gemacht, obwohl Stickstoff viel billiger und einfacher wärew, und es beim Fleisch auf den Preis ankommt, damit Unternehmen das einsetzen.
    Wichtig ist dass das ausgeatmete CO² nicht über 8000pp, ansteigt.
    Wie viel CO² verliert ein Mensch der nur noch Stickstoff atmet bis zum Tod?
    Das ganze Teil zu fluten ist ja recht verschwenderisch.
    Und evtl. muss auch Stickstoff austreten, damit das CO² nicht zu viel wird.
    Effizienter wäre eine Atemmaske an einen Schlauch, dann ein Atemkalk-Filter (Filtert CO²), und dahinter ein Beutel mit Helium oder Stickstoff..
    So könnte das Gas praktisch beliebig oft erneut genutzt werden. Im OP setzt der Anästhesist das Atemkalk-Granulat nur einmal ein.
    Das hat wohl hygienische Gründe, aber die sollten bei diesem Zweck keine Bedeutung haben…

    Ohne Witz, ich hätte gerne so ein Teil für Videos auf der Straße.
    Reaktionen von Passanten mit der Kamera einfangen.
    Kritisch provokant vor einem Jobcenter.

  2. Anja Düren sagt:

    Guten Tag
    Ich finde die Möglichkeit selber über meinen Rad zu entscheiden ist das Menschlichste was es gibt. Es ist schließlich mein Leben und ich möchte entscheiden wann und wo ich sterben möchte. Leider gibt es in Deutschland wahnsinnig Probleme es umzusetzen. Der Film GOTT von Ferdinand von Schirach beweist das die Mehrheit der Deutschen selbst entscheiden möchten wann sie streben möchten.
    Ich habe versucht Pentobarbital zu bestellen es hat mich mehrere 1000,- Euro gekosten für nichts. ich habe meine „Tür“ so wie ich es nennen nicht bekommen.
    Ich hoffe es gelingt mir bzw Ihre Methode setzt sich durch.
    LG Anja

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