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Plastik-Knappheit: Wie sehr ist die additive Fertigung betroffen?

Am 11. Januar 2022 von Regina P. veröffentlicht

Seit Beginn der Gesundheitskrise gibt es weltweit einen Mangel an diversen Rohstoffen. So wurde beispielsweise die Baubranche von einem Holzmangel beeinträchtigt und auch die Welt der additiven Fertigung ist mit einer Knappheit konfrontiert: Kunststoff. Ein solcher Mangel an Kunststoff bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Viele Filamentlieferanten, wie die Petrochemie, sind stark betroffen, während Kunststoffhersteller große wirtschaftliche Verluste hinnehmen müssen und gezwungen waren, ihre Produktion umzustrukturieren oder sogar einzustellen. Angesichts dieser Plastik-Knappheit konnten die Akteure der additiven Fertigung ihre Vorräte nicht auffüllen und waren gezwungen auf ihre Lagerbestände zurückzugreifen. Aber selbst der größte Lagerbestand neigt sich mit der Zeit zu Ende.

Die Pandemie hat den Markt mit mehreren Herausforderungen konfrontiert: ungeplante Produktionsstopps, Lieferschwierigkeiten, verlängerte Lieferzeiten, verstärkte Nachfrage bei bestimmten Artikeln etc. Diese Faktoren wirken sich unweigerlich auf die gesamte Wertschöpfungskette aus, weshalb die Grenzen der derzeitigen Logistiksysteme aufgezeigt werden konnten. In der Kunststoffindustrie sind vor allem technische Materialien wie ABS, Polycarbonat und bestimmte Polyamide gefragt, was sich direkt auf den Sektor der additiven Fertigung auswirkt.

Auch zur Herstellung von Covid-Tests wird Kunststoff benötigt. (Bild: Calvatis)

Zu den am stärksten betroffenen Sektoren der Plastik-Knappheit zählt beispielsweise die Automobilindustrie. Der medizinische Bereich ist derzeit noch relativ unberührt, da die Zulieferer um die Wichtigkeit des Sektors in dieser Zeit wissen. In einigen Krankenhäusern macht sich jedoch allmählich ein Mangel an Kunststoff bemerkbar – Kunststoff wird unter anderem für die Herstellung von Covid-19-Tests benötigt.

Die Preise explodieren

Logischerweise sind angesichts dieser Knappheit die Preise für die verschiedenen Kunststoffe drastisch gestiegen. So haben sich beispielsweise die Preise für Polyethylen und Polypropylen zwischen Januar und Mai 2021 verdoppelt. Die Tonne PVC wiederum hat ihren Preis zwischen Juli 2020 und Februar 2021 um 115 % erhöht, d. h. auf über 1800 USD! Plastics Europe, der europäische Verband der Kunststofferzeuger, erklärt uns, dass nicht nur die hohe Nachfrage, sondern auch steigende Preise bei den Vorprodukten, die hohen Energiekosten, die Lieferengpässe als auch eine neu eingeführte CO2-Bepreisung die Erzeugerpreise für Kunststoffe in Primärform steigen habe lassen. So sei der Preis von Naphtha, dem wichtigsten Vorprodukt von Kunststoffen, zuletzt deutlich gestiegen und war im Oktober 50 Prozent höher als zum Jahresbeginn (Januar 2021). Eine signifikante Entspannung der Energiepreise für das Jahr 2022 sei laut Angaben des Verbandes nicht in Sicht. Was es bräuchte, um die Situation zu entspannen, wäre ein Ende der pandemiebedingten Behinderungen sowie die schrittweise Normalisierung globaler Wertschöpfungsketten und Energiepreise.

Wie bereits erläutert, ist der 3D-Druck Markt trotz der gestiegenen Preise und der Tatsache, dass die Akteure im Bereich der additiven Fertigung auf ihre Lagerbestände zurückgreifen können, derzeit noch nicht völlig lahmgelegt. In absehbarer Zeit könnten Hersteller aber dazu gedrängt werden, eine Alternative zu Plastik zu finden. Zu diesen Materialien gehören beispielsweise jene, die aus Abfall oder bereits verwendeten Materialien hergestellt werden. Zwar werden immer mehr Objekte aus recycelten Materialien gedruckt, wie das Beispiel Nefilatek zeigt, stellen jedoch noch eine Minderheit dar. Das liegt unter anderem daran, dass Materialien aus recycelten Materialien im Vergleich zu „herkömmlichen“ Materialien noch zu teuer sind. BASF, der weltweit größte Chemiekonzern führt unter anderem die Marke Forward AM und erklärt uns, dass das Unternehmen die Herausforderungen der Plastik-Knappheit momentan noch mit einer rollierenden 6-Monats Bedarfsplanung sowie Lieferverträgen  zu Schlüssellieferanten bewältigen kann. Außerdem würden die Bestände bei bestimmten Rohstoffen etwas höher genommen und mögliche Zweitlieferanten qualifiziert. Auch die Sicherheitsbestände bei Fertigprodukten seien entsprechend angepasst und Vorräte in Asien und Nordamerika aufgebaut worden. 

Recycelte Kunststoffe werden immer häufiger als Material für den 3D-Druck eingesetzt.

Auf dem Weg zurück in die Normalität?

Im Moment weiß niemand, wie lange die Plastik-Knappheit und die dadurch entstehenden Engpässe andauern werden. BASF zufolge, würde die Kunststoffknappheit zum Teil durch längere Lieferzeiten bei einzelnen Rohstoffen verursacht. Auch Plastics Europe macht darauf aufmerksam, dass die internationalen Lieferketten weiterhin gestört sind. Staus in der Containerschifffahrt gäbe es weiterhin auf einem hohen Niveau, was zu Verzögerungen bei Ein- und Ausfuhren führt. Davon sei die gesamte Wirtschaft betroffen. Entspannung in den internationalen Lieferketten könne erst im Sommer 2022 oder später zu erwarten sein. Gleichzeitig bleibe die Nachfrage der drei größten Kunststoffmärkte, USA, Europa und Asien/Pazifik, auf Grund der wirtschaftlichen Erholung, weiterhin hoch. In der Konsequenz könne diese Nachfrage nur verzögert bzw. manchmal auch gar nicht bedient werden. Mit der Erholung des Verkehrs dürfte sich aber auch die Kunststoffindustrie früher oder später wieder erholen. Wie wir also feststellen, ist es derzeit schwierig, die Zukunft des Kunststoffmarktes zu beurteilen. Eines ist jedoch sicher: Solange die wirtschaftlichen Aktivitäten weltweit eingeschränkt sind, werden die Akteure der additiven Fertigung mit Materialmangel zu kämpfen haben und gezwungen sein, ihre Aktivitäten gegebenenfalls einzuschränken.

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