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Orthopädie ohne klassischen Gipsverband dank 4D-Druck

Am 12. Juni 2026 von Carol S. veröffentlicht

Das Start-up Castomize aus Singapur hat einen 4D-gedruckten Gipsverband entwickelt, der typische Probleme herkömmlicher Gipsverbände lösen soll – darunter Juckreiz, Schweißbildung, Hautreizungen und die Tatsache, dass klassische Verbände nicht nass werden dürfen. Möglich wird das durch intelligente Thermoplaste, die sich beim Anlegen direkt an die Anatomie der Patient:innen anpassen lassen, ganz ohne vorherigen Scan und ohne Säge zum Entfernen des Verbandes.

Die Technologie entstand aus einer Forschungsarbeit an der Singapore University of Technology and Design und wurde 2022 als kommerzielles Produkt auf den Markt gebracht. Das Unternehmen bietet damit Kliniken und medizinischem Fachpersonal eine leichtere, atmungsaktivere und wasserfeste Alternative zu herkömmlichen Glasfaser-Gipsverbänden.

4D-Gipsverband am Unterarm. Die offene Gitterstruktur sorgt für Luftzirkulation und macht den Verband vollständig wasserfest.

Das Konzept des 4D-Drucks ist zwar nicht neu, doch konkrete Produkte auf dem Markt sind bislang selten. Vereinfacht gesagt geht es dabei um Strukturen, die sich durch äußere Einflüsse verändern, in diesem Fall durch Wärme. Der Verband wird nicht bereits während des Drucks angepasst, sondern erst beim Anlegen: Er hat nach dem Druck zunächst eine feste Form, wird beim Erwärmen weich und härtet beim Abkühlen wieder aus. Das medizinische Fachpersonal erwärmt den Verband, passt ihn direkt am Handgelenk, Unterarm oder Knöchel an und wartet anschließend, bis das Material wieder fest wird.

Die charakteristische Gitterstruktur erfüllt dabei mehrere Funktionen gleichzeitig: Sie reduziert das Gewicht, verbessert die Belüftung der Haut, macht den Verband wasserfest und macht eine Säge zum Entfernen des Verbandes überflüssig. Laut Castomize können Patient:innen mit dem Verband sogar schwimmen gehen – vorausgesetzt, dies wurde ärztlich freigegeben.

Der Verband basiert nicht auf individuellen 3D-Scans der Patient:innen, sondern wird in Standardgrößen angeboten und direkt in der Praxis angepasst. Sollte während der Behandlung eine Schwellung zurückgehen, eine Korrektur notwendig werden oder weiterer Anpassungsbedarf entstehen, kann der Verband erneut erwärmt und direkt am betroffenen Körperteil neu geformt werden, ohne ihn austauschen zu müssen.

Castomize bietet bereits Gipsverbände für Handgelenk, Unterarm, Arm und Knöchel an. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen daran, sein Portfolio um Prothesen und medizinische Hilfsmittel für Haustiere zu erweitern sowie weitere Kindergrößen zu entwickeln.

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*Bild: Castomize

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