MadeInAdd-CEO: Überraschende Spitzenreiter bei der Einführung von 3D-Druck

Man könnte vermuten, dass große Konzerne mit ihren umfangreichen Budgets und technischen Ressourcen bei der Einführung neuer Technologien wie der additiven Fertigung an vorderster Front stehen. Laut Andrea Gorlezza, CEO von MadeInAdd, ist jedoch eher das Gegenteil der Fall: Start-ups sind etablierten Herstellern voraus. Nicht, weil sie besseren Zugang zur Technologie haben, sondern weil sie weniger von jahrzehntelangen traditionellen Konstruktions- und Fertigungsmethoden geprägt sind. MadeInAdd ist eine in Mailand ansässige Plattform für additive Fertigung, die Hersteller entlang des gesamten Produktionsprozesses begleitet – vom Entwurf bis zum fertigen Bauteil – und dabei mehr als 50 additive Technologien abdeckt. Wir haben mit Gorlezza darüber gesprochen, wo die größten Hürden bei der Einführung liegen, wie sein Unternehmen daran arbeitet, diese zu überwinden, und welche Rolle künstliche Intelligenz dabei spielt.
Italiens Industrie und additive Fertigung – eine naheliegende Verbindung

Andrea Gorlezza, CEO, MadeInAdd
Gorlezza kommt aus der klassischen Fertigungsindustrie und verfügt über 25 Jahre Erfahrung in den Bereichen Automobil, Öl und Gas, Marine sowie Maschinenbau. Dank dieses Hintergrunds versteht er die Herausforderungen bei der Einführung additiver Fertigung gut, da er die Perspektive etablierter Hersteller kennt. Gorlezza übernahm Anfang 2025 die Rolle des CEO von MadeInAdd. Das Unternehmen wurde bereits 2022 durch eine Kombination aus institutionellen und industriellen Investoren gegründet. Die ursprüngliche Idee bestand darin, MadeInAdd als führenden italienischen Akteur im Bereich der additiven Fertigung zu positionieren – mit branchenübergreifender Wirkung, zunächst in Italien und später auch international.
Im Rahmen der Milan Design Week wurden in der vergangenen Woche Designer:innen aus dem ganzen Land eingeladen, ihre Arbeit zu präsentieren. Das Team von MadeInAdd nutzte die Gelegenheit und stellte dort erstmals aus. „Design und additive Fertigung sind eng miteinander verbunden“, erklärte Gorlezza auf der Veranstaltung. „Wenn man additive Technologien von Anfang an einplant, lassen sich Produkte viel gezielter entwickeln. Diese Verbindung wollen wir greifbar machen.“
Italien ist bekannt für seine ausgeprägte Handwerkskunst. Genau hier fügt sich die additive Fertigung gut ein. „Italien ist doch das Land der Maßanfertigung, oder?“, sagte Gorlezza. „Man kennt das aus der Mode oder aus dem Luxusauto-Industrie – und aus vielen anderen Branchen, in denen Italien weltweit eine wichtige Rolle spielt. Diese Tradition passt einfach sehr gut zur additiven Fertigung.“
Der Grund: Additive Technologien sind besonders gut darauf ausgelegt, individuell angepasste Produkte herzustellen – ganz ähnlich wie bei einer Maßanfertigung.
Technologie ist nicht das Problem – die Überzeugungsarbeit schon
Ingenieur:innen von den Möglichkeiten des 3D-Drucks zu überzeugen, ist jedoch eine ganz eigene Herausforderung. Gorlezza erklärte, dass viele Ingenieur:innen noch immer unsicher sind, ob additiv gefertigte Bauteile technisch mit konventionell hergestellten mithalten können – und das „weitaus häufiger, als man annehmen würde“. Diese Unsicherheit wird durch die rasante Entwicklung des 3D-Drucks noch verstärkt. Selbst Ingenieur:innen, die sich vor einigen Jahren intensiv mit den Möglichkeiten der additiven Fertigung beschäftigt haben, sind heute oft nicht mehr auf dem neuesten Stand. MadeInAdd setzt genau hier an und zeigt, wie leistungsfähig und zuverlässig moderne Technologien der additiven Fertigung inzwischen sind.
Für Gorlezza liegt eines der hartnäckigsten Missverständnisse rund um die additive Fertigung bereits im Namen selbst. „Additive Fertigung ist mehr als nur Fertigung“, sagt er. Viele lsind irritiert, dass im Begriff das Wort ‚Manufacturing‘ (Fertigung) enthalten ist – dabei geht es um weit mehr als nur die Produktion.“ Seinen vollen Mehrwert entfaltet die Technologie erst dann, wenn sie von Anfang an im Designprozess mitgedacht wird – und nicht erst in der Fertigung, so Gorlezza.

Über die Plattform MadeInAdd hergestellte 3D-Druckteile, ausgestellt in Mailand. (Foto: 3Dnatives)
Dieses Prinzip bildet die Grundlage für das End-to-End-Modell von MadeInAdd. Statt lediglich als Dienstleister zu agieren, der Dateien entgegennimmt und Bauteile produziert, versteht sich das Unternehmen als technischer Partner, der bereits in der Konstruktionsphase einsteigt und den gesamten Prozess bis zur Auslieferung begleitet. „Das volle Potenzial additiver Technologien entsteht bereits bei der Produktentwicklung – wenn die Möglichkeiten der additiven Fertigung von Anfang an mitgedacht werden“, erklärt Gorlezza. Topologieoptimierung, organische Geometrien, optimierte Gewichtsverhältnisse und gestalterische Freiheit: All diese Vorteile lassen sich nicht nutzen, wenn ein Bauteil ursprünglich für eine CNC-Bearbeitung oder den Spritzguss ausgelegt wurde.
Wo KI endet und Ingenieur:innen übernehmen
Der Einstieg in die additive Fertigung ist oft nicht leicht: Zunächst gilt es, einen Überblick über die verfügbaren Möglichkeiten zu gewinnen und die passenden Materialien und Technologien auszuwählen. MadeInAdd bietet Zugang zu mehr als 50 additiven Technologien. Ohne entsprechende Unterstützung kann diese Vielfalt die Entscheidungsfindung jedoch eher erschweren als beschleunigen. Um die Auswahl zu erleichtern, kombiniert MadeInAdd die Expertise seiner Ingenieur:innen mit dem KI-Agenten Maddie. Beide helfen dabei, die passende Lösung auf die spezifischen technischen und wirtschaftlichen Anforderungen der jeweiligen Anwendung abzustimmen.
Maddie kann in jeder Phase der additiven Fertigung Fragen beantworten. Eine der spannendsten Funktionen ist, dass Nutzer:innen eine 2D-Zeichnung oder ein Foto hochladen können, um daraus ein erstes 3D-Modell zu erstellen. Anschließend schlägt die Plattform passende Fertigungsoptionen vor. Gorlezza betont jedoch, dass sich dieser Prozess noch weiterentwickelt und die Plattform ihre Grenzen hat. „Wenn Kunden spezifischere Anforderungen haben, die über das hinausgehen, was automatisch möglich ist, kommen unsere Ingenieure ins Spiel“, sagt er. Die KI sorgt für Zugänglichkeit und Geschwindigkeit, während die Ingenieur:innen sich um komplexe Anforderungen und die Verantwortung kümmern.

Maddie, der KI-Agent von MadeInAdd, kann Nutzer durch den gesamten Prozess der additiven Fertigung begleiten. (Foto: MadeInAdd)
Aus Sicht von Gorlezza wird diese Unsicherheit nicht lange anhalten. „Man muss die Fakten auf den Tisch legen, und plötzlich macht es Klick“, sagt er. „Dann wird schnell klar, dass das eine echte Option ist – und oft folgt darauf ein größerer Schritt in Richtung Anwendung.“ Start-ups, die nicht durch bestehende Strukturen ausgebremst werden, haben diesen Punkt bereits erreicht. Für große Industrieunternehmen, die noch zögern, ist die Botschaft von MadeInAdd klar: Die Technologie ist bereit. Entscheidend ist, ob die Unternehmen es auch sind. Wenn Sie mehr über die Lösungen von MadeInAdd erfahren möchten, klicken Sie HIER.
*Titelbild: Andrea Gorlezza mit „Maddie“, dem KI-Agenten von MadeInAdd (Foto: MadeInAdd)





