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Wie ist der Status von Frauen in der 3D-Druckbranche?

Auf 8. März 2021 von Isabell I. veröffentlicht
Frauen 3D-Druckbranche

Der Internationale Frauentag findet jährlich am 8. März statt. Laut den Vereinten Nationen ist der Weltfrauentag ein Tag, der die Errungenschaften von Frauen auf der ganzen Welt sowie die Fortschritte feiert, die bis zu diesem Zeitpunkt bei der Erreichung der Gleichstellung der Geschlechter gemacht werden konnten. Der Tag dient aber auch dazu, über Fortschritte nachzudenken, die weltweit noch gemacht werden müssen, damit wirklich eine Gleichstellung der Geschlechter erreicht werden kann. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, einige der einflussreichsten Frauen in der 3D-Druckbranche näher zu betrachten und diese Zeit zu nutzen, um nicht nur über den heutigen Stand der Frauen im 3D-Druck nachzudenken, sondern auch darüber, wie wir noch lernen und wachsen müssen, um in Zukunft noch mehr Frauen in dieser Sparte willkommen zu heißen.

Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) sind schon seit einigen Jahren ein bekanntes Problem. Obwohl Frauen in den Grund- und weiterführenden Schulen im gleichen Maß wie Männer an naturwissenschaftlichen Kursen teilnehmen, ist es dennoch weniger wahrscheinlich, dass Frauen MINT-Kurse studieren und noch weniger wahrscheinlich, dass sie in MINT-Feldern arbeiten. Der größte Gender-Gap zeigt sich im Ingenieurwesen, welches auch die additive Fertigung inkludiert. Um mehr über den Status von Frauen in diesem Bereich zu erfahren, haben wir mit sechs einflussreichen Frauen aus der Welt der additiven Fertigung gesprochen: Michelle Bockman (CEO von 3DPrinterOS), Marie Langer (CEO von EOS), Mariel Diaz (CEO von Triditive), Cindy Deekitwong (Global Head of Marketing bei Henkel), Anne Debauge (Digital Director of Pack&Dev bei L’Oréal) und Elena López (Leiterin der additiven Fertigung am Fraunhofer IWS). Wir haben sie gefragt, wie sich die Präsenz von Frauen in der 3D-Druck Branche entwickelt hat, welche Hindernisse für die Beteiligung von Frauen in der AM-Branche noch bestehen und welche Empfehlungen sie haben, um die Anzahl von Frauen in der Branche zu erhöhen. 

Barrieren für die Beteiligung von Frauen in der additiven Fertigung

Es ist offensichtlich, dass es immer noch einige Barrieren für die Beteiligung von Frauen im Bereich der additiven Fertigung gibt. Für Mariel Diaz sind es vor allem drei Barrieren, die Frauen daran hindern, sich stärker zu engagieren: „Die Barrieren fallen hauptsächlich in drei Bereiche: Finanzierung, Vorurteile und Inklusion. Es ist notwendig, die Vorurteile gegenüber Frauen in der Branche beiseite zu räumen, den unbestreitbaren Mangel an Finanzierung für unternehmerische Ideen von Frauen in der Branche anzugehen und auch die Männer in der Technologie zu fragen, was sie tun, um die Anzahl der Frauen in dieser Branche zu erhöhen (und nicht nur die Frauen).“ In ihren Ausführungen merkte Frau Diaz auch an, dass es bei der Personalbeschaffung schwierig sein kann, die weibliche Zielgruppe zu erreichen, da sich weit weniger Frauen als Männer auf diese Positionen bewerben. Sie meint, dass eine Möglichkeit, diese Barriere zu überwinden, darin besteht, weibliche Vorbilder hervorzuheben, die bereits in der Branche tätig sind, damit mehr Frauen und Mädchen sehen, dass es einen Platz für sie in der 3D-Druckbranche gibt. Sie merkt auch an, dass es wichtig ist, mehr Fraueninitiativen im Bereich 3D-Druck und STEAM (Science, Technology, Engineering, Arts and Math) im Allgemeinen zu unterstützen, wenn wir als Gesellschaft hoffen, mehr Frauen in diesen technischen Bereichen arbeiten zu sehen. Ohne sich mit all diesen Themen auseinanderzusetzen, wäre es nahezu unmöglich, die Präsenz von Frauen in der Branche wirklich sinnvoll zu erhöhen.

Eines der Hauptprobleme ist jedoch auch, dass dies nicht nur Frauen im Bereich der additiven Fertigung betrifft. Diese Ungleichheit zwischen Frauen und Männern ist auch in vielen anderen Branchen jenseits des 3D-Drucks vorhanden. Marie Langer erwähnt, dass es natürlich Barrieren für Frauen, die in der 3D-Druckbranche arbeiten, gibt, und das liegt zumindest teilweise daran, dass Männer in so ziemlich allen Branchen mehr berücksichtigt werden als Frauen. Sie erklärt: „Denken Sie an Smartphones, Navigationssysteme, Crashtest-Dummys oder Diagnosetests für Herzinfarkte. Dies sind nur einige Beispiele für Produkte, bei denen Frauen nicht in den Entwicklungsprozess einbezogen wurden. Das Ergebnis? Manche Smartphone-Größen sind nicht für Frauenhände gemacht. Die erste Version des Navigationssystems erkannte keine Frauenstimmen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen einen Autounfall oder einen Herzinfarkt überleben, ist aufgrund fehlender Gender-Parameter geringer.“ Um die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zu beseitigen, ist es eindeutig notwendig, Frauen in allen Phasen der Entscheidungsprozesse einzubeziehen und nicht nur in wenigen Positionen. Alle sechs befragten Frauen machten auch deutlich, dass es für die gesamte Branche von Vorteil ist, Frauen und generell eine größere Vielfalt in den Teams zu haben. Ohne die Stimmen von 50 % der Bevölkerung zu berücksichtigen, ist es unvermeidlich, dass entscheidende Erkenntnisse ignoriert werden – und das hat weitreichende Folgen wie zum Beispiel – wie Marie Langer erwähnte – Produkte zu haben, die von einem bestimmten Segment der Bevölkerung nicht genutzt werden können.

Frauen 3D-Druckbranche

Es gibt immer noch weit weniger Frauen als Männer in der Branche, wobei die Daten aus dem Jahr 2018 zeigen, dass die Beteiligung von Frauen in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahr um 2 % gesunken ist. Dies spiegelt ein breiteres Problem im MINT-Bereich wider, in dem es weniger Frauen gibt (Bildnachweis oben: Alexander Daniels Global, Additive Manufacturing Salary Survey, 2018; Bildnachweis unten: 3D Printing Academy for Girls).

Michelle Bockmann, CEO von 3D Control Systems, sieht jedoch, dass es noch Wege gibt, diese Barrieren zu überwinden: „Ich sehe immer mehr Frauen (und Verbündete), die die Einstellung von Frauen unterstützen, was ein großartiger Indikator dafür ist, dass die Barriere abgebaut wird. Ich glaube wirklich, dass ein vielfältiges Team dabei hilft, die besten Produkte zu entwickeln…schließlich kaufen Frauen mehr als die Hälfte der Produkte, die gebaut werden.“ Je mehr Frauen wir in Machtpositionen in der Branche sehen, desto wahrscheinlicher ist es, dass auch weiterhin Frauen in diesem Bereich eingestellt werden. Dies ist nur eine von vielen Möglichkeiten, wie das Geschlechter-Ungleichgewicht angegangen werden kann. Es unterstreicht auch einen Punkt, der von vielen Frauen in der 3D-Druckbranche gemacht wird: nämlich dass der Weg zu einer größeren Vielfalt darin besteht, zuerst die Vielfalt in die Teams aufzunehmen. Wenn Sie dies tun, werden Sie nicht nur mehr Bewerber sehen, sondern auch mehr unterschiedliche Kandidaten, die aufgrund ihrer Talente wahrgenommen werden.

Die Entwicklung von Frauen in der 3D-Druckbranche

Insgesamt scheint es jedoch Grund zur Hoffnung zu geben. Vor allem die Präsenz der Organisation Women in 3D Printing wird von den befragten Frauen hervorgehoben, da sie eine entscheidende Rolle dabei spielt, die Aufmerksamkeit auf geschlechtsspezifische Ungleichheiten in diesem Bereich zu lenken und für die Sichtbarkeit von Frauen in der Branche zu kämpfen. Dies ist besonders wichtig in dieser männerdominierten Branche, wie Langer betont: „Um ehrlich zu sein, würde ich sagen, dass wir hier nur langsam vorankommen und es noch einen Weg zu gehen gibt. Der 3D-Druck ist immer noch eine sehr männerdominierte Branche. Andererseits haben Organisationen wie Women in 3D printing in den letzten Jahren großartige Arbeit geleistet, um die Wahrnehmung zu verändern, Frauen in der 3D-Druckbranche eine Stimme zu geben und neue Möglichkeiten für Frauen in dieser Branche zu eröffnen.

Frauen 3D-Druckbranche

Ein gemeinsamer Bericht von Sculpteo und Women in 3D Printing zeigte, dass Frauen etwas weniger optimistisch sind als ihre männlichen Kollegen, was eine Karriere in der 3D-Druckbranche angeht. Das könnte sich jedoch leicht ändern, wenn mehr Frauen in die Branche kommen (Bildnachweis: Sculpteo/Women in 3D Printing).

Es mag zwar langsam gehen, aber es scheint klar zu sein, dass es tatsächlich Fortschritte gibt. Elena López bemerkt: „Ich arbeite seit 16 Jahren und mein Gefühl ist, dass wir immer vielfältiger werden. Zu Beginn meiner Karriere sah ich um mich herum fast nur grauhaarige Männer über 60 Jahre in verantwortungsvollen Positionen. Bei der TIPE-Konferenz vor ein paar Wochen sahen wir eine reine Frauen-3D-Druck-Konferenz mit Tausenden von Teilnehmern: vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar! Sicherlich scheint es immer noch eine langsame Entwicklung zu sein, aber wir haben noch viele tausend Jahre Geschichte vor uns bis zu einer klaren Emanzipation der Frauen.“ Cindy Deekitwong ist besonders hoffnungsvoll über die bereits erzielten Fortschritte: „Es ist die perfekte Zeit, um als Frau in der additiven Fertigungsindustrie zu arbeiten. Von der C-Suite abwärts steigen immer mehr Frauen in das Geschäft ein und haben Einfluss. Die Zahlen haben sich dramatisch verschoben und Frauen halten nun 32 % der Positionen mit ‚geschäftlicher Verantwortung‘.

Welche Empfehlungen gibt es, um die Rolle der Frauen im 3D-Druck zu stärken?

Wenn wir die Geschlechterkluft in der additiven Fertigung verringern wollen, gibt es noch viel zu tun. Es ist jedoch keine unüberwindbare Aufgabe. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir daran arbeiten können, die Präsenz von Frauen nicht nur in der AM-Branche, sondern in der MINT-Branche insgesamt zu erhöhen. Die beste Quelle für hilfreiche Empfehlungen sind natürlich die Frauen, die bereits in der Branche arbeiten und die einzigartigen Herausforderungen verstehen, die es zu bewältigen gilt. Unsere sechs einflussreichen Frauen aus der Branche hatten einige abschließende Gedanken dazu, was getan werden kann, um die Präsenz von Frauen in der AM-Branche zu erhöhen.

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„Ich denke, dass die nationale Bildung hier eine Rolle spielen muss. Sobald ich die Möglichkeit habe, gebe ich Bildungsinitiativen an junge Leute in Fablabs weiter, um sie breiter einsetzen zu können.“ – Anne Debauge

„Wenn Sie ein Einstellungsmanager oder eine Führungskraft in Ihrem Unternehmen sind, müssen Sie Vielfalt in Ihrem Team haben, und wenn Sie das nicht tun, bauen Sie wahrscheinlich nicht das beste Produkt, das Sie bauen könnten.“ – Michelle Bockman

„Es ist wichtig, mehr weibliche Vorbilder zu zeigen und mehr Interesse an STEAM-Arbeit zu wecken, damit mehr Frauen und Mädchen sehen, dass sie auch Teil der 3D-Druckindustrie sein können, und mehr Fraueninitiativen im 3D-Druck und STEAM im Allgemeinen zu unterstützen.“ -Mariel Diaz

„In den letzten Jahren ist viel erreicht worden! Das Wichtigste ist jetzt, für die, die nach uns kommen, weiterzumachen: Vorträge halten, als Mentorin auftreten, in privaten Treffen ermutigen, dass man es schaffen kann und das Interesse an Wissenschaft und Technologie aus unseren einflussreichen Positionen heraus wecken.“ – Elena López

„Ich denke, der erste Schritt ist, dass Führungskräfte und Manager in der Branche die systemischen Nachteile verstehen, mit denen Frauen und auch andere demografische Gruppen in unserer Branche konfrontiert sind, und wie man diesen strategisch entgegenwirken kann. Wir müssen verstehen, dass der gute Wille, die Dinge zu ändern, nicht ausreicht. Das wird sich nicht ändern, wenn wir uns nicht wirklich verpflichten, unsere Prozesse und unsere Herangehensweise an die Rekrutierung und interne Beförderung zu ändern.“ – Marie Langer

„Wir können nicht auf die anstehenden Herausforderungen reagieren, wenn wir nicht bereit sind, unbequem zu sein, wenn wir nicht bereit sind, uns selbst zu erweitern. Deshalb sage ich Ihnen – seien Sie bequem mit dem Gefühl, unbequem zu sein. Seien Sie bereit, das Gummiband zu dehnen. Wachstum in jeder Hinsicht – persönliches Wachstum, geschäftliches Wachstum, Wachstum in der Industrie, Wachstum in der Vielfalt – geschieht nur, wenn wir bereit sind, den nächsten Schritt zu wagen, heute ein bisschen weiter zu gehen als dort, wo wir gestern waren.“ – Cindy Deekitwong

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Titelbildnachweis: Royal DSM

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