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Finanzierungsrunden: Diese Akteure der additiven Fertigung konnten das meiste Kapital einsammeln

Auf 2. September 2021 von Regina P. veröffentlicht

Der Sektor der additiven Fertigung hat in den letzten Jahren viele Investoren angezogen und es gab einige große Finanzierungsrunden sowie Übernahmen. Hersteller, Softwareunternehmen, Start-ups und andere Akteure aus der ganzen Welt nutzen die Vorteile des 3D-Drucks und setzen auf dessen Potenzial. Um die Technologie schneller voranzutreiben, sind finanzielle Mittel daher unentbehrlich. Auch während den letzten beiden Jahren, welche von der Gesundheitskrise geprägt wurden, waren Investitionen in die Zukunftstechnologie stets von großer Bedeutung. Es hat sich schließlich herausgestellt, dass diese für den Sektor teilweise vorteilhaft war, da einige Unternehmen die Krise dazu genutzt haben, die Anwendungsmöglichkeiten des 3D-Druck auszuweiten. Wir wollen einen Blick auf die Akteure der additiven Fertigung zu werfen, die seit 2019 das meiste Kapital aufbringen konnten – dabei sprechen wir über Finanzierungen von mehr als 50 Millionen US-Dollar, um die Liste übersichtlicher zu gestalten. 

Relativity Space

Das kalifornische Unternehmen Relativity Space ist auf die Herstellung von Raketentriebwerken im 3D-Druckverfahren spezialisiert. Seit der Gründung im Jahr 2016 hat Relativity Space mehr als 1,3 Milliarden Dollar gesammelt, davon 650 Millionen allein im vergangenen Juni! Ziel ist es, die Produktion der Terran R zu beschleunigen, ein neues Raketenmodell, das die Terran 1 ablösen soll. Bereits Ende diesen Jahres soll der erste Orbitalflug absolviert werden. Terran R ist über 65 Meter lang und hat eine maximale Nutzlastkapazität von 9 Tonnen in der niedrigen Erdumlaufbahn. Eines ist dabei sicher: Relativity Space ist dazu entschlossen, den Weltraum mit Hilfe der additiven Fertigung zu erobern!

Bild : Relativity Space

Desktop Metal

Der amerikanische Metall 3D-Druck Hersteller Desktop Metal zählt zweifellos zu den Unternehmen des Sektors, welches in letzter Zeit am meisten Schlagzeilen durch Kapitalbeschaffungen oder durch große Übernahmen (EnvisionTec, ExOne, um nur zwei zu nennen) gemacht hat. Bis heute hat das Unternehmen mehr als 711 Mio. US Dollar Kapital eingesammelt, davon 160 Mio. USD im Jahr 2019 und 275 Mio. USD, welche während des Börsengangs erworben wurden (vollständig zugesagte PIPE-Stammaktien zu 10 USD pro Aktie). Ziel des Unternehmens ist es, einfach zu bedienende, langlebige und schnelle Lösungen innerhalb der industrielle additiven Fertigung anzubieten. 

levée de fonds

Desktop Metal bietet Lösungen für die industrielle additive Fertigung (Bild: Desktop Metal)

Carbon

Das in den USA ansässige Unternehmen Carbo konnte mit dem Ziel, die Art und Weise, wie Polymerprodukte entworfen, hergestellt und ausgeliefert werden, um mit diesen eine digitale und nachhaltige Zukunft zu gestalten,  insgesamt 682 Mio. USD aufbringen. Die weltweit führende Plattform für digitale Fertigung hat 2019 über 260 Mio. USD in einer Wachstumsfinanzierung unter der Leitung von Madrone Capital Partners und Baillie Gifford erzielt. Zu den jüngsten Fonds zählen zwei weitere, welche in der ersten Hälfte des Jahres 2020 stattgefunden haben, eine davon wurde unter der Leitung des Investors 40 North Ventures besiegelt. Allerdings sammelt das Unternehmen bereits seit Anfang 2014 Geldmittel, so dass es bis heute ein hohes Kapital erreichen konnte.

Carbon entwickelt 3D-Drucker für den Harz-3D-Druck

Markforged

Markforged, multinationaler Hersteller von industriellen 3D-Druckern, hat in 6 Finanzierungsrunden insgesamt 346,8 Mio. USD aufgebracht. Die jüngste Finanzierung erfolgte am 15. Juli 2021 im Rahmen einer Eigenkapitalrunde nach dem Börsengang. Darüber hinaus wird das Unternehmen von 12 Investoren finanziert, dazu zählen etwa Microsoft Venture Fund und Wasatch Ventures. Im März 2019 fand eine Finanzierungsrunde in Höhe von 82 Millionen US-Dollar statt, mit dem Ziel, die additive Fertigung auf industrieller Ebene sowie die globale Expansion und die Produkt-Roadmap zu beschleunigen. Diese Kapitalerhöhung wurde von der Investmentfirma Summit Partners geleitet. Wissenswert ist, dass einer der Geschäftsführer, Michael Medici, in den Verwaltungsrat von Markforged eingetreten ist.

Markforged entwickelt industrielle 3D-Drucker (Bild: Markforged)

ICON

Das Bauunternehmen ICON, das sich auf die additive Herstellung von Beton für den Bau und die Entwicklung von Wohnungen spezialisiert, hat in den letzten Monaten ebenfalls große Summen aufgebracht. In insgesamt sechs Finanzierungsrunden hat das Unternehmen 266,5 Millionen US-Dollar eingesammelt. Von diesen sechs Runden wurden ganze fünf seit Januar 2020 durchgeführt. Das Unternehmen wird von 30 Investoren finanziert, wobei Oakhouse Partners und Ensemble VC zu den jüngsten zählen. Der größte Betrag wurde vor wenigen Tagen aufgebracht, als ICON in der von Norwest Venture Partners geführten Series-B-Runde 207 Mio. USD einkassieren konnte. Unter anderem will ICON erschwingliche Häuser 3D drucken und die Technologie auf die nächste Stufe heben, um Infrastrukturen auf dem Mond zu errichten, letzteres mit finanzieller Unterstützung der NASA.

ICON nutzt den 3D-Druck zur Herstellung von leistbaren Wohnungen (Bild:ICON)

Formlabs

Auch der in Massachusetts ansässige 3D-Drucker Hersteller Formlabs zählt seit diesem Jahr zu den Multimillionen-Dollar-Unternehmen. Stolze 253 Millionen Dollar hat das amerikanische Unternehmen seit 2019 eingesammelt und konnte sich alleine in diesem Jahr mit einer Series E Finanzierungsrunde ganze 150 Millionen Dollar Investment aus dem SoftBank Vision Fund 2 sichern. Mit dieser letzten Finanzierung hat sich auch der Marktwert von Formlabs auf 2 Milliarden Dollar verdoppelt und heizt folglich Spekulationen auf eine baldige Börsennotierung an. 

Formlabs ist führender Hersteller für den Harz 3D-Druck (Bild: Formlabs)

Xometry

Xometry, im Jahr 2013 gegründet, ist der branchenführende Anbieter der On-Demand-Fertigung und zählt unter Unternehmen wie BMW, die NASA, und Bosch zu seinen Kunden. Erst vor wenigen Monaten ging Xometry mit einem Initial Public Offering (IPO) in Höhe von 252 Millionen US-Dollar am NASDAQ Global Select Market an die Börse. Die Produktionsplattform konnte sich bereits 2019 50 Millionen Dollar von Investoren sichern sowie weitere 75 Millionen im Jahr 2020. Der Aktienkurs am 31.08.2021 lag bei 72,670 US-Dollar.

Xometry ist der größte Marktplatz für die On-Demand-Fertigung (Bild: Xometry)

Velo3D

Velo3D hat als erstes Unternehmen ein SupportFree-Metall-3D-Druck Verfahren eingeführt und hat es außerdem auf die Liste der Top 10 Fertigungsunternehmen des Business-Magazin Fast Company geschafft. Aber das ist nicht alles: auch in puncto Finanzierung kann sich das Unternehmen nicht beklagen. Nachdem sich das Unternehmen im letzten Jahr 40 Millionen Dollar in zwei Finanzierungsrunden gesichert hat, wurde im März 2021 bekannt, dass VELO3D nach einem Unternehmenszusammenschluss mit der AWS Spitfire Acquisition Corporation in der zweiten Jahreshälfte 2021 an der Börse unter VLD notiert sein wird. 

Velo3D ist auf Lösungen für die additive Fertigung von Metallen spezialisiert

Nexa3D

Nexa3D ist ein in Kalifornien ansässiger Hersteller von 3D-Druckern, der sich auf Hochgeschwindigkeits-SLA-Maschinen für den industriellen Einsatz spezialisiert. Das von Avi Reichental geleitete Unternehmen hat in den letzten Jahren mehrere Finanzierungsrunden hinter sich gebracht, darunter eine bemerkenswerte im vergangenen Jahr. Um das Geschäft weiter auszubauen und neue Produkte schneller auf den Markt zu bringen, hat Nexa3D im Jahr 2020 55 Millionen US-Dollar gesammelt. Dies ist ein weitaus größerer Betrag als die letzten beiden Kapitalbeschaffungen des kalifornischen Unternehmens, welche sich auf 12,2 Millionen Dollar im Jahr 2019 und 17,8 Millionen Dollar im Jahr 2020 beschränkt haben. 

Nexa3D stellt SLA-3D-Drucker her (Bild: Nexa3D)

Arevo

Das in Kalifornien ansässige Unternehmen Arevo entwickelt 3D-Drucksysteme für Verbundwerkstoffe, Materialien und Softwarelösungen. Das Unternehmen hat jüngst sein neues großformatiges System für die additive Fertigung von Verbundwerkstoffen namens Aqua 2 vorgestellt und konnte im August 25 Millionen US-Dollar sichern. Damit hat sich die Gesamtfinanzierung des Unternehmens seit der Gründung auf 60 Millionen US-Dollar erhöht. Ein Jahr zuvor, im August 2020, hatte Arevo denselben Betrag von den Investoren Defy und GGV Capital erhalten. Wenn bald viele Investoren auf Arevo setzen, ist das sicherlich kein Zufall. Das kalifornische Unternehmen ist derzeit eines der wenigen Unternehmen, das in der Lage ist, endlose Kohlenstofffasern im großen Maßstab zu drucken. 

Arevo entwickelt 3D-Drucksysteme für kontinuierliche Verbundwerkstoffe

nTopology

Das in New York ansässige Unternehmen nTopology entwickelt eine Software zur Erstellung komplexer Geometrien mit Hilfe der Methode des generativen Designs. Das Flaggschiff des Unternehmens, di nTopology Software, bietet dem Nutzer Kontrolle über den gesamten Modellierungsprozess. Nachdem das Unternehmen zwischen 2016 und 2017 fast 10 Mio. USD aufgebracht hatte, erhielt es 2019 weitere 20 Mio. USD. Aber das ist noch nicht alles. Um die Funktionalitäten der Software zu erweitern, hat nTopology im Jahr 2020 weitere 40 Millionen Dollar von Insight Partners erhalten. 

nTopology entwickelt Modellierungssoftware (Bild: nTopology)

Die Finanzierungsrunden deutscher Akteure

Selbstverständlich konnten in den letzten zwei Jahren auch deutsche Unternehmen einiges an Kapital  innerhalb von diversen Finanzierungsrunden erwirtschaften. Zu diesen zählt beispielsweise 3YOURMIND. Der Software-Hersteller, der seit 2014 das Ziel verfolgt einen weit verbreiteten Zugang zur additiven Fertigung zu ermöglichen, konnte im zweiten Quartal 2021 neue Investoren für sich gewinnen und so eine Series A+ Finanzierungsrunde über 10,4 Millionen Euro abschließen, nachdem das Unternehmen bereits 2020 4,7 Millionen Euro erhielt. Die Kapitalgeber sind LBBW Venture Capital um die Venture Capital-Gesellschaft der Landesbank Baden-Württemberg. Auch Hyperganic konnte in diesem Jahr in einer ersten Finanzierungsrunde 7,8 Millionen US-Dollar einsammeln. Das in München ansässige Unternehmen fokussiert sich auf die Etablierung einer neuen KI-gesteuerten Software für den 3D-Druck, welche den Herstellungsprozess erheblich beschleunigen soll. Das ebenfalls bayrische Unternehmen Dyemansion konnte sich zudem Ende 2020 weitere 12 Mio. Euro des dänischen Wachstumsfonds Nordic Alpha Partners sichern und erhöht dadurch das Gesamtkapital auf 20 Millionen Euro. Das Unternehmen ist unter anderem bekannt für seine Powershot Performance Serie für den industriellen 3D-Druck.

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*Titelbildnachweis:

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