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Initiativen gegen Covid-19 Teil II: FabLab der RTWH Aachen entwickelt Beatmungsgerät / Aufruf BayernInnovativ

Auf 6. April 2020 von Sandra S. veröffentlicht

Angesichts der aktuellen gesundheitlichen Krisensituation haben wir bereits über verschiedene per 3D-Druck gefertigte Teile wie BeatmungsventileReagenzgläser und verschiedenen Gesichtsschutzmasken berichtet. Spätestens die Reaktion der Maker Community auf diese Artikel hat uns gezeigt, dass die Solidarität und der große Wille, mittels 3D-Druck Unterstützung bieten zu können, weit verbreitet sind. Doch dieser Wille alleine reicht häufig nicht aus, wenn unklar ist, in welchen Einrichtungen besonders dringend Hilfe benötigt wird und wie entsprechende Instanzen zu kontaktieren sind. Um Klarheit diesbezüglich zu schaffen, hat sich unser Team auf die Suche nach entsprechenden Initiativen begeben und mit diesen Kontakt aufgenommen.

Im ersten Teil haben wir uns der Give a Breath Challenge der Fraunhofer Gesellschaft und Munich RE sowie dem von Formlabs nun auch in Deutschland gestarteten Netzwerk für den Druck von medizinischen Teilen gewidmet. Für den zweiten Teil hat uns Prof. Dr. Borchers errläutert, wie das FabLab der RTWH Aachen an einem 3D-gedruckten Beatmungsgerät arbeitet und wie Sie als Maker in der aktuellen Krisensituation aktiv werden können. Zudem widmen wir uns einem Aufruf der Koordinierungsstelle Additive Fertigung der Bayern Innovativ GmbH und dem Forum MedTech Pharma, bei dem eine Vermittlung von Produzenten und Krankenhäusern stattfinden soll.

FabLab der RTWH Aachen arbeitet an Beatmungsgeräten

An der Universität Aachen wird derzeit an verschiedenen, teilweise 3D-gedruckten,  Teilen gearbeitet, die in der aktuellen Krisensituation hilfreich sein können. So arbeiten 4 Teams seit circa 4 Wochen an verschiedenen Varianten eines Beatmungsgerätes, wovon eine Variante abgesehen von fertiger Elektronik auf Teile aus dem 3D-Drucker zurückgreifen soll. Prof. Dr. Borchers betont gegenüber 3Dnatives: „Man muss ganz klar dazusagen: keines der Geräte, das wir entwickeln, wird ein zertifiziertes Medizinprodukt sein”. Das Beatmungsgerät solle nur in absoluten Notfallsituationen eingesetzt werden und ausdrücklich nur von einer entsprechend ausgebildeten Person bedient werden. Laut Borchers könne der Einsatz durch Laien im schlimmsten Falle zum Tode des Patienten führen. Die Entwicklung eines solchen Gerätes sei hochkomplex und werde noch einige Wochen dauern, fährt er fort.

Neben der Entwicklung der Notfallbeatmungsgeräte arbeitet das FabLab bereits seit einigen Wochen an Weiterentwicklungen des Prusa Faceshield, indem dieses neben der Sicherheit auch im Hinblick auf Hautverträglichkeit und viele weitere Faktoren überprüft wurde. Inzwischen seien bereits über 10 Iterationen entstanden und das unter ständigem Feedback des Klinikums Aachens: „Der Abstimmungsprozess war wichtig, weil wir das Vertrauen des Klinikums haben, dass wir auf sie hören und ihre Wünsche entgegennehmen können, dass wir die z.B. die verwendeten Materialien überdacht haben.“ Die neuste Version wurde inzwischen von Ärzten bestätigt und wird derzeit im FabLab gedruckt. .Neben Ärzten und Krankenschwestern sollen die Masken in Zukunft auch weiteren Berufsgruppen wie beispielsweise der Feuerwehr, Polizei, Rettungsdiensten und Pflegern zur Verfügung gestellt werden. Um die Nachfrage zu decken soll das Institut für Kunststoffverarbeitung der RTWH Aachen zukünftig Masken per Spritzguss fertigen.

Im Rahmen unseres Interviews zur Initiative der RTWH Aachen berichtet uns Prof. Dr. Borchers auch von einem spannenden gesellschaftlichen Phänomen: „Der Erfinder ist momentan die Welt – die Face Mask ist inzwischen durch so viele Hände gegangen. So viele Leute haben bereits daran was entwickelt, daran verbessert. Es ist einfach eine Community-Entwicklung. Es ist open-source und ich sehe an ganz vielen Stellen, dass es den Leuten gar nicht mehr so wichtig ist, wer es entwickelt hat: Hauptsache, es verteilt sich schnell und ist die beste Lösung für die aktuelle Situation.”

Abschließend gibt uns Prof. Dr. Borchers als Empfehlung mit auf den Weg, „Sachen zu finden, die lokal tatsächlich Einrichtungen gebrauchen können, die aber nicht so medizinkritisch sind, dass die Leute Angst vorm Einsatz haben“. Ein Beispiel hierfür sei das Drucken von Türdrücker zum Öffnen und Schließen der Türen ohne das Berühren mit Händen. Diese sind im Internet als STL-Datei verfügbar und bieten die Chance das Ansteckungsrisiko des Coronavirus in Betrieben, die weiterhin geöffnet sein müssen, zu senken.

Weitere Informationen zu der Initiative finden Sie hier.

Bildnachweis: Pexels

Aufruf der Koordinierungsstelle Additive Fertigung und des Forum MedTech Pharma e.V.

In Bayern hat die Koordinierungsstelle Additive Fertigung der Bayern Innovativ GmbH zusammen mit dem Forum MedTech Pharma e.V. einen Aufruf gestartet, der  versucht, eine Anlaufstelle für Maker und Krankenhäuser zu sein, um Produzenten und Bedürftige zu vermitteln. So soll eine flexible und regionale Versorgung dazu beitragen, die Krisensituation zu meistern.

Der Fokus bei den zu druckenden Hilfsmitteln liegt bei dem Aufruf auf Gesichtsschutzschildern oder auch Atemmasken des Typs FFP2/ FFP3. Im Interview mit 3Dnatives erklärt Dr.Taub, Geschäftsführer des Forum MedTech Pharma e.V dies folgendermaßen: „Bei der Herstellung medizinischer Hilfsmittel wie OP-Masken und Beatmungsgeräten müssen strenge Regularien eingehalten werden, dies ist für branchenfremde Unternehmen häufig nicht realisierbar.“ Die obig genannten Hilfsmittel unterliegen hingegen Regularien der persönlichen Schutzausrichtung und seien somit einfacher zu realisieren. Der Druck von Beatmungsgeräten oder Beatmungsmasken solle erst im „absoluten Notfall, sollte die Versorgung mit geprüften und zertifizierten Beatmungsgeräten nicht ausreichen“, erfolgen, so Dr. Taub.

Der in Bayern ins Leben gerufene Auftrag richtet sich an Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen aus dem Bereich der additiven Fertigung, die am besten Erfahrungen im Bereich der Medizintechnik haben. Privatpersonen werden hingegen ausgeschlossen. Tina Johnscher, die für die Koordinierungsstelle Additive Fertigung der Bayern Innovativ GmbH tätig ist, freut sich, wenn viele dem Aufruf folgen, betont aber auch, dass die Sammlung von Angeboten und der Abgleich mit konkreten Bedarfsmeldungen im Fokus steht und entsprechend keine Garantie dafür gegeben werden kann, dass alle Angebote berücksichtigt werden. Um die Qualität der gedruckten Teile sicherzustellen, müssen Sie bereits bei der Online-Registrierung angeben, inwiefern Ihre Prozesse für den 3D-Druck zertifiziert sind und nach welchen Qualitätsmanagementsystemen Sie arbeiten. Ferner erklärt Dr. Jörg Taub: „Sobald ein Produkt auf den Markt kommen soll bzw. ausgeliefert werden soll, muss der Inverkehrbringer mit einer Konformitätserklärung bescheinigen, dass er die der Normen und Regularien des Medizinproduktegesetzes bzw. der persönlichen Schutzausrüstung einhält. Die Festlegung weiterer Qualitätskriterien und deren Überprüfung obliegt der Stelle der Beschaffung des Produkts. In Bayern sind dies normalerweise der Einkauf der Kliniken, Praxen oder anderer Einrichtungen, in der aktuellen Krisensituation ist es das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.“ So soll vor dem Einsatz der Hilfsmittel dieser von Fachpersonal überprüft werden.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Aufruf.

Bildnachweis: Pexels

Haben Sie bereits Teile speziell für die aktuelle Krisensituation gedruckt? Tauschen Sie sich gerne in den Kommentaren aus. Was denken Sie über diese Anwendungen des 3D-Drucks? Möchten Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Neuigkeiten im 3D-Druck und der Additiven Fertigung direkt und bequem in Ihr Postfach? Registrieren Sie sich jetzt für unseren wöchentlichen Newsletter und folgen Sie uns auf Facebook und Twitter um stets auf dem Laufenden zu bleiben! Außerdem sind wir auch auf LinkedIN und auf Youtube zu finden.

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