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3D-Druck – das Zukunfts-Eldorado des Arbeitsmarktes?

Auf 27. Januar 2017 von Alexander H. veröffentlicht

Der Markt für 3D-Druck steigt rasant. Bis zum Jahre 2020 soll das momentane Marktvolumen von 5 Mrd. € auf über 20 Mrd. € ansteigen. Logisch ist daher auch eine steigende Nachfrage nach 3D-Druck-spezifischen Jobs. Doch jede Veränderung auf dem Arbeitsmarkt ist mit Ungewissheiten behaftet und neue Chancen bringen auch neue Gefahren. Passend dazu hat die französische staatliche Agentur für Arbeit – das „Orientation pour l’Emploi“ (COE) eine kürzlich veröffentlichte Studie durchgeführt und prognostiziert, dass 50% der heutigen Jobs, aufgrund technologischen Fortschritts in der Robotik, Künstlicher Intelligenz oder auch im 3D-Druck sich in der Zukunft verändern oder gänzlich verschwinden werden.

Berufe im 3D-Druck

Wir wollten mehr über die beruflichen Möglichkeiten und eventuellen Gefahren des 3D-Drucks wissen und haben dazu drei Experten aus der Branche befragt. Sie werfen Licht auf die Sache und helfen uns zu verstehen, inwiefern die additive Fertigung Berufe ersetzt oder gar vernichtet oder doch als Chance angesehen werden muss.

Unsere drei Experten bestehen aus George Fisher-Wilson, Kommunikationschef bei 3DHubs – der Vermittlungsplattform für 3D-Druckdienstleistungen; Marine Coré-Baillais Marketing Direktorin beim französischen 3D-Druckunternehmen Sculpteo und schließlich Gesa Schneider, Channel Manager EMEA des Herstellers für Großformat-3D-Drucker BigRep aus Berlin.

Technologischer Fortschritt häufig als Bedrohung angesehen

Eine Studie aus dem Jahr 2014 offenbarte, dass der 3D-Druck ein hohes Potential hinsichtlich der Kreation von neuen Arbeitsplätzen aufweist. Eine hohe Nachfrage besteht demnach nach technischen Fachkräften aus dem Maschinenbau- und Ingenieursbereich, aber auch nach Softwareentwicklern spezialisiert auf den 3D-Druck.

Berufe im 3D-Druck

Arbeitsplatzangebote im Bereich 3D-Druck stiegen in den Jahren 2010 bis 2014 in den USA (Quelle: Wanted Analytics)

Auf das gleiche Ergebnis kommt die Studie der französischen COE, mit dem Zusatz, dass 10% der Berufe heute von automatisierten Technologien wie dem 3D-Druck bedroht sein werden. Speziell wurden Berufe aus dem Handwerksbereich, der Juwelierbranche und Fachkräfte an der Produktionslinie erwähnt.

Voraussetzungen für einen Job im 3D-Druck

Ob Bedrohung oder Chance, zukünftige Arbeitnehmer und -geber müssen sich auf den Wandel vorbereiten. Welche beruflichen Voraussetzungen müssen zukünftige Arbeitnehmer erfüllen, um im 3D-Druck arbeiten zu können? Oder welche Expertise müssen Firmen ihren Angestellten vermitteln, damit sie am neuen Markt zurecht kommen? Unsere Experten klären auf:

Personalabteilungen sind auf der Suche nach Mitarbeitern mit verschiedenen Skills mit Ingenieurs- und Designkenntnissen. Marketingdirektorin von Sculpteo erwähnt „Kompetenzen beim Coding und Frontend-Fähigkeiten, aber auch Mathematik und Modellierung“ und erklärt „die Nachfrage ist am höchsten bei qualifizierten Ingenieuren, die sich auf den 3D-Druck spezialisiert haben.“

métiers de l'impression 3D

Gesa de chez BigRep

Die vorausgesetzten Kenntnisse, um in der 3D-Druckindustrie arbeiten zu können, erscheinen zahlreich und adressieren viele Berufsbereiche. Doch wie werden diese Fähigkeiten an die zukünftigen 3D-Druck-Spezialisten vermittelt? Gesa Schneider antwortet: „Wir müssen sicherstellen, dass der 3D-Druck ins Schulsystem integriert wird und dass Kinder die Grundlagen dieser Technologie erlernen.“

Es ist kein Zufall, dass wir mehr und mehr Initiativen sehen, die den 3D-Druck in die Ausbildung und Lehrpläne der Schulen integrieren wollen, um zukünftige Spezialisten der Branche zu trainieren. Dies ist beispielsweise der Fall in Korea, wo Studenten in einem speziellen Programm auf die Herausforderungen des 3D-Drucks vorbereitet werden.

Die Initiativen sind zahlreich: Kurse im 3D-Druck werden an der Australischen Universität von Queensland und Wollongong, an der Zentraluniversität Utrecht in Holland sowie an der Universität zu Würzburg angeboten. Auch das berühmte MIT in den USA bietet Kurse im Bereich 3D-Druck an.

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Marine de chez Sculpteo

Marine-Kern-Baillais bestätigt, dass die Bildung eine entscheidende Rolle für die Zukunft des 3D-Drucks spielt: „Ich diskutiere oft mit jungen Ingenieuren , die im Rahmen ihres Studiums den 3D-Druck nutzen und sehr leidenschaftlich über das Thema sind. Sie entwicklen mir Sicherheit eine wertvolle Fähigkeit!“

Eine wertvolle Fähigkeit, die ein „Schlüsselelement im MINT-Studium darstellen wird, um die Kompetenzlücke zu füllen, die ohne Frage dabei ist zu entstehen“, sagt Kommunikationsleiter von 3D Hubs Fischer-Wilson. Grundlagen in der Schulausbildung und eine anschließende Berufsausbildung im Bereich 3D-Druck ermöglicht einen leichteren Zugang zu neuen Arbeitsplätzen, die durch diese neue Technologie entstehen.

Welche Berufe gibt es im 3D-Druck?

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George von 3D Hubs

Alle drei Experten sind sich einig: Der 3D-Druck, als aufkommende Technologie generiert neue Jobpositionen, die spezifisches Wissen verlangen. Es liegt an den Bildungsinstitutionen dieses Wissen zu vermitteln, damit der Bedarf an Fachpersonal gedeckt wird und keine Lücke aufkommt. Doch welches Fachpersonal ist denn genau gemeint und hat der 3D-Druck bereits neue Jobs generiert?

Die Antwort der jeweiligen Experten fällt trivial aus „Ja! Ohne 3D-Druck würde 3D-Hubs nicht existieren“, erläutert Fisher Wilson. „Allein im Hauptquartier in Amsterdam sind 40 Leute beschäftigt, ganz zu schweigen von den zahlreichen Usern, die 3D Hubs als Haupteinnahmequelle nutzen.“

Aber gibt es auch Jobs, die exklusiv für den 3D-Druck ausgelegt worden sind? Die Antwort ist wieder ja. BigRep aus Berlin beispielsweise besetzt Positionen mit Bezeichnungen wie „Postprocessing-Spezialist, 3D-Material-Experte, 3D-Designberater bzw. -spezialist“.

Mit Printivate hat 3D Hubs letztes Jahr eine Firma aufgekauft, die per Software 3D-Modelle optimiert- „ohne 3D-Druck bräuchten wir keine File-Optimierer und heute arbeitet ein ganzen Team exklusiv daran“, sagt Fisher Wilson.

Auch beim französischen Dienstleister Sculpteo gibt es Mitarbeiter aus den „neuen Jobprofilen, die sich speziell mit den 3D-Softwares auseinandersetzten, um 3D-Druck-spezifische Probleme zu lösen“, so Marine Coré-Baillais.

Welche Industrien suchen nach 3D-Druckexperten?

Nachdem die Jobprofile identifiziert wurden, stellt sich die Frage, welche Industrien stellen Menschen mit profunder 3D-Druckexpertise ein? 3D-Hubs geht davon aus, dass mit dem 3D-Druck flächendeckend in jeder Industrie Stellen mit einem Hintergrund in additiver Fertigung gesucht werden. Speziell sieht das holländische Unternehmen einen steigenden Bedarf in der Gesundheitsbranche und in Ingenieursberufen. Begründet ist dies durch einen momentanen Fokus auf die Materialforschung. Fortschritte in diesem Bereich eröffnen ganz neue Möglichkeiten, die die Adaptierung der 3D-Drucktechnologie in jenen Industrien beschleunigen und somit der Bedarf an Fachpersonal steigt.

Berufe im 3D-Druck

Berufe im 3D-Druck

Kraftstoff-Düse für Boeing-Maschinen. Integration von 20 Einzelteilen zu einem Einzelstück per 3D-Druck.

Weitere Sektoren, die auf der Suche nach 3D-Druckexperten sind, sind laut BigRep Germany Großindustrien wie die Automobil- und Luftfahrtbranche. Experten für 3D-Druck Hard- und Software sind in der Lage effiziente Bauteile für Autos und Flugzeuge herzustellen, die Gewicht- und Spritverbrauch und somit Kosten deutlich verringern, siehe am Beispiel der Boeing Kraftstoff-Düse.

Die additive Fertigung eine Gefahr?

Der 3D-Druck steckt trotz der breiten Anwendungsmöglichkeiten und den Fortschritten noch am Anfang der Entwicklung. „In Zukunft“, so Gesa Schneider „werden viele Stellen [des produzierenden Gewerbes] wieder in das eigene Land verlegt, so dass die Produkte neben dem Konsumenten hergestellt werden, was positive Auswirkungen auf die Umwelt haben wird.“

Das Potential ist vorhanden, aber noch lange nicht ausgeschöpft, denn die Art und Weise, wie Sachen produziert werden, werden immer noch von traditionellen Herstellungsverfahren wie Press-, Guss- und Fräsmethoden dominiert. „Wir sind noch weit von einer Welt entfernt, in der der 3D-Druck Jobs aus dem Konstruktions- und Produktionsgewerbe, die traditionelle Verfahren einsetzt von Online-Druckserviceplattformen ersetzt werden“, konkludiert Marine Coré-Baillais.

Auf kurze Sicht ist der 3D-Druck keine Gefahr für bestehende Berufssparten. Die Entwicklung dürfte noch einige Jahre oder gar Jahrzehnte andauern. Langfristig gesehen hat der 3D-Druck das Potential die Welt effizienter zu machen. Damit einher gehen jedoch Rationalisierungen bestimmter Berufsgruppen wie z.B. im produzierenden Gewerbe.

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