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AMT über die Bedeutung von Post-Processing-Lösungen

Auf 23. März 2021 von Regina P. veröffentlicht
AMT

Die additive Fertigungsindustrie erlebt einen systematischen Wandel vom reinen Prototyping hin zur Produktion von Teilen für den Endverbraucher. Daher werden Technologien zur Nachbearbeitung immer wichtiger. So bietet auch das 2017 gegründete Startup AMT patentierte Post-Processing-Lösungen für 3D-gedruckte Teile. Das Unternehmens will anwendungsorientierte Lösungen anbieten mit der Vision nachhaltige, additive Fertigung im industriellen Maßstab zu ermöglichen. Da es heutzutage nicht mehr ausreicht, die Materialien und Drucker zu haben, müssen Unternehmen verstärkt an die Anwendungsperformance denken, um AM im großen Maßstab voranzutreiben. Wir hatten das Vergnügen, dies mit Joseph Crabtree, dem Gründer und CEO von AMT, zu evaluieren. Er erzählt uns von seiner Vision des Marktes, der Bedeutung des Post-Processing und AMT’s patentierten Lösungen!

3DN: Können Sie sich selbst und Ihre Verbindung zum 3D-Druck kurz vorstellen?

Mein Name ist Joseph Crabtree, ich bin Gründer und CEO von AMT. Ich habe AMT im Jahr 2017 gegründet, nachdem ich 14 Jahre lang Erfahrungen im Maschinenbau und in der traditionellen Fertigung gesammelt habe, welche mich schließlich in die 3D-Druckbranche geführt hat. Während meiner vorherigen Erfahrung habe ich einen großen Engpass in der additiven Fertigungsindustrie bemerkt und wollte eine pragmatische Lösung anbieten, welche tatsächlich im industriellen Maßstab skalierbar sein würde.

Joseph Crabtree ist Gründer und CEO von AMT

AMT bietet patentierte, vollautomatische, sichere und nachhaltige Lösungen zur Nachbearbeitung für 3D-gedruckte Teile, sogenannte PostPro. Unsere Technologie ermöglicht und befähigt den Einsatz der industriellen additiven Fertigung zur Herstellung von Endverbraucherteilen zu akkuraten Kosten, zum richtigen Zeitpunkt und vor allem mit hochwertigen Leistungseigenschaften für jede Anwendung.

3DN: Welche Mission hat AMT PostPro?

Mitte der 2000er Jahre sah ich einen großen Engpass in der additiven Fertigungsindustrie, der die Branche daran hinderte, ihr volles Potenzial zu erreichen. Dieser Engpass wurde durch die mühsamen und kostspieligen manuellen Nachbearbeitungsschritte der AM-Produktionskette verursacht.

Als Newcomer auf dem Markt fand AMT schnell eine Position bei führenden Marken und Service-Centern und bot einen neuen Standard für Effizienz und Qualität, der den Status-Quo der 3D-Nachbearbeitung aufrüttelte. Zwei Jahre später wuchs unser Team von drei Ingenieuren schnell auf ein Team von 34 Ingenieuren an. Das wirklich Faszinierende war, dass AMT nicht nur die Möglichkeiten zur Nachbearbeitung in der additiven Fertigung innoviert hat, sondern auch eine Community für Design, Fertigung und Fachwissen aufgebaut hat, sowie ein Patent, welches wir über den Markt nutzen können.

Warum ist das alles so wichtig? In den Anfängen der additiven Fertigung war die Branche hauptsächlich auf Forschung, Akademiker, den Prototypen und Nischenprojekte ausgerichtet. Als wir uns in den frühen 2000er Jahren vorwärts bewegten, bis zu dem Punkt, an dem wir uns heute befinden, haben wir die Phase durchlaufen, die wir auch Additive 1.0 nennen. Das war wirklich der Startschuss für die Technologie, das Wachstum in Bezug auf den Hype und das Bewusstsein der Öffentlichkeit für den 3D-Druck als praktikable Produktionstechnologie. Was für uns jedoch wirklich bedeutsam ist, ist, dass mit dem Wachstum von Additiv 1.0 und dem Erbe des 3D-Drucks bis zum heutigen Tag, mit Additiv 2.0, ein enormer Anstieg in der Produktion von Endverbrauchsteilen zu verzeichnen ist. Das ist auch unser Wachstumsziel.

Die Produktion von Endprodukten im 3D-Druck Verfahren gewinnt an Bedeutung

Unsere Mission ist es, der weltweit erste anwendungsorientierte Anbieter von automatisierten End-to-End-Post-Processing-Systemen zu sein. Wir bieten unseren Kunden eine Lösung, mit der sie ein Material nehmen können, das Material in den Drucker geben können und dann aus unseren Systemen ein Teil herauskommt, das für die Endanwendung in verschiedenen Industrie Vertikalen geeignet ist.

Wir sind dabei sehr ehrgeizig was unsere Vision betrifft. Sie ermöglicht die anwendungsorientierte Einführung einer nachhaltigen, additiven Fertigung in großem Maßstab. Die zwei wichtigsten Worte sind: Anwendung und nachhaltig. Anwendung deshalb, weil es nicht ausschlaggebend ist, ob Sie über die Materialien, den Drucker und die Geräte zur Nachbearbeitung verfügen. Wenn Sie die Teile nicht unter Berücksichtigung der Anwendungsleistung herstellen, dann werden Sie die additive Fertigung nie im großen Maßstab vorantreiben. Das andere ist „nachhaltig“, denn wenn das, was die Industrie jetzt macht, schon bei geringeren Stückzahlen nicht nachhaltig ist, dann können wir niemals das volle Potenzial der additiven Fertigung ausschöpfen.

3DN: Welche Bedeutung hat das Post-Processing im 3D-Druck-Workflow? Würden Sie sagen, dass die meisten Unternehmen ein gutes Verständnis für Lösungen zur Nachbearbeitung haben und anbieten?

Bis vor kurzem fand die Nachbearbeitung und Veredelung von 3D-Teilen nur wenig Bedeutung. Die meisten Menschen betrachten den 3D-Druck aus der Außenperspektive und gehen davon aus, dass die Teile, die auf einem 3D-Drucker gedruckt werden, für die Endanwendung geeignet sind. Das ist aber nicht zwingend der Fall. Wenn Teile aus dem Drucker kommen, sind sie nicht fertig und müssen nachbearbeitet werden, um dem Teil das Aussehen, die Haptik und die Leistung eines nicht 3D-gedruckten Teils zu geben.

Part that hasn’t been post-processed | Image via AMT

Die Nach- und Endbearbeitungsschritte sind quasi das letzte fehlende Teil des 3D-Druck Puzzles. Nachbearbeitung meint eine ganze Gruppe von Techniken, welche die unfertigen 3D-Druckteile in etwas Brauchbares, Vorzeigbares oder Marktfähiges verwandeln.

Die meisten Unternehmen sind zwar mit der Notwendigkeit der Nachbearbeitung vertraut, aber es gibt definitiv noch Raum für Schulungen, wenn es darum geht, die volle Leistungsfähigkeit der automatisierten Nachbearbeitung zu verstehen. Manuelle Nachbearbeitungsmethoden sind unbedingt geeignet Oberflächen zu versiegeln und können sogar Polymer-Mikrofasern erzeugen. Auch das Hinzufügen zusätzlicher Beschichtungen kann die Materialauswahl und die Leistung einschränken. Darüber hinaus ist die manuelle Nachbearbeitung sehr zeit- und arbeitsintensiv.

Heute findet aber bereits ein Umdenken statt. Die Entwicklung des 3D-Drucks im industriellen Maßstab beschleunigt sich, das bedeutet, dass die frühen Anwender die kritische Rolle der Nachbearbeitung bei der Fertigstellung von Fertigungslinien für marktreife Teile in hohen Stückzahlen erkennen.

Die Zukunft bleibt sehr spannend für unsere Branche. Die additive Fertigung wird ihr volles Potenzial ausschöpfen können, indem die Nachbearbeitung die Produktionszeiten beschleunigt, die Kosten senkt, Wiederverwertung ermöglicht, Standardanforderungen erfüllt, usw.

Beispiel eines 3D-gedruckten Teils nach dem Post-Processing  | Bildrechte: AMT

3DN: Können Sie uns mehr über Ihre Technologie erzählen?

Unsere Expertise liegt in der chemischen Dampfglättung. Wir haben ein patentiertes System, das weltweit eingesetzt wird. Die PostPro-Technologie zur chemischen Dampfglättung ist ein Prozess, welcher den Herstellern hilft, ihr Geschäft auszuweiten, indem die Produktion neuer Anwendungen ermöglicht wird, welche bisher nur im Spritzgussverfahren hergestellt werden konnten. Der Prozess der Dampfglättung adressiert die wichtigsten Leistungsherausforderungen, denen sich viele Unternehmen in der additiven Fertigung stellen müssen. Die PostPro-Technologie ermöglicht eine vollständig verbesserte Ästhetik. Die Technologie entfernt auch die Rissinitiierung an den Teilen und verbessert so die Ermüdungsfestigkeit und Bruchdehnung. PostPro versiegelt die Oberfläche des Teils. Das Teil sieht dann nicht nur gut aus, fühlt sich gut an und hat eine gute Leistung, sondern ist auch vollständig versiegelt. Das folgende Video zeigt, wie die Oberflächenbeschichtung und -färbung durch eine versiegelte Oberfläche beeinflusst wird:

Das wohl beste Beispiel dafür, wie die chemische Dampfglättung von PostPro eine neue 3D-gedruckte Anwendung hervorgebracht hat, zeigt sich in der Entwicklung von Nasentupfern für Großserientests. Noch vor ein paar Jahren ist dieses Produkt ausschließlich im Spritzgussverfahren hergestellt worden. PostPro kann heute eine komplett glatte und versiegelte Oberfläche für ein HP-gedrucktes Teil liefern, welches zum Einsatz in medizinischen Anwendungen zertifiziert werden muss. Dies stellt eine bedeutende Entwicklung für die gesamte AM-Industrie dar, da es das erste derartige Beispiel für diese hohen Stückzahlen auf dem Markt ist.

Das zweite System, das wir anbieten, sind Maschinen für das Depowdering. Das ist die Vorstufe, der Reinigungsschritt, der Schritt, der es ermöglicht, Teile aus dem Drucker zu nehmen, das lose Pulver zu entfernen und sie dann später in unseren Dampfglättungsmaschinen zu bearbeiten.

Was den Durchsatz angeht, sind alle unsere Systeme vollautomatisch und leicht zugänglich. Sie sind einfach zu bedienen, erschwinglich, umweltfreundlich und nachhaltig, UL- und CE-zertifiziert und sind technologie- und materialunabhängig.

3DN: Gibt es noch andere Projekte, Pläne oder letzte Worte, die Sie mit unseren Lesern teilen möchten?

COVID-19 hat das Denken der Menschen im Hinblick auf die Weiterentwicklung des 3D-Drucks definitiv beschleunigt. Es verkürzt den Zeitraum, in dem über die Einführung der additiven Fertigung nachgedacht wird, weil klar wurde, dass die additive Fertigung Lieferketten entlasten kann. Parallel dazu, wird sich auch die Art und Weise, wie über die Nachbearbeitung gedacht wird, beschleunigen. Damit die erforderlichen Leistungsniveaus erreicht werden können, insbesondere in der Medizin, kann die Nachbearbeitung nicht länger nur ein Gedanke sein. Sie muss zur Lösung des Ausgangsproblems werden, d. h. es muss eine Transformation der gesamten Fertigung geben. 

iemai

Wir werden in Zukunft auch sehen, wie sich die gesamte Fertigungsindustrie aufgrund der positiven Auswirkungen von risikomindernden Lieferketten, geringen Lagerbeständen, Fertigung auf Abruf, Fertigung vor Ort und vielen anderen Vorteilen des Einsatzes der additiven Fertigung verändern wird. Weitere Informationen zu AMT PostPro finden Sie HIER.

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