#3DStartup: Allow Motion und seine gedankengesteuerten 3D-gedruckten Prothesen

Der Markt für 3D-gedruckte Prothesen wächst stetig, denn die additive Fertigung eröffnet neue Möglichkeiten in Bezug auf Individualisierung, Komfort und Kosten. Sie ermöglicht die Entwicklung von Komponenten, die exakt an die Körperform jedes Einzelnen angepasst sind – schneller und zu deutlich geringeren Kosten. Dadurch wird der Zugang zu diesen Prothesen erleichtert. Doch was unterscheidet das Start-up Allow Motion in diesem wachsenden Markt? Das junge belgische Unternehmen entwickelt personalisierte, 3D-gedruckte myoelektrische Prothesen, die durch künstliche Intelligenz gesteuert werden. Diese lernt vom menschlichen Körper und ermöglicht es den Nutzenden, die Prothese mit ihren Gedanken zu steuern – statt über Muskelimpulse oder Tasten. Wir haben mit Mitgründer Joachim Delporte gesprochen, um mehr darüber zu erfahren.
3DN: Können Sie sich kurz vorstellen? Wie sind Sie zur additiven Fertigung gekommen?
Mein Name ist Joachim Delporte, Mitgründer und CEO von Allow Motion. Gemeinsam mit meinem Bruder Dylan, der sich auf Biologie spezialisiert hat, bin ich in einem Umfeld aufgewachsen, in dem unsere Eltern täglich Orthesen und Prothesen nutzten. Als uns bewusst wurde, wo die bestehenden Lösungen an ihre Grenzen stoßen, haben wir Allow Motion gegründet.

Joachim, CEO von Allow Motion
Ich persönlich habe die additive Fertigung bereits 2012 entdeckt, als die ersten 3D-Drucker für den breiten Markt verfügbar wurden. Ich erinnere mich noch gut daran, wie faszinierend ich es fand, Objekte aus einem einfachen Filament herstellen zu können. Diese Technologie erschien mir sofort wie eine echte Revolution, vor allem für die Entwicklung maßgeschneiderter, schneller und zugänglicher Lösungen. Deshalb ist sie besonders für den Prothesenbereich interessant. Die additive Fertigung lag für uns daher nahe: Sie ermöglicht eine schnelle, kostengünstige und vollständig personalisierte Produktion – entscheidende Vorteile, um den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer:innen gerecht zu werden.
3DN: Was ist Allow Motion? Warum haben Sie das Unternehmen gegründet?
Allow Motion entwickelt innovative myoelektrische Prothesen, die darauf ausgelegt sind, Menschen mit Amputationen mehr Selbstständigkeit und Bewegungsfreiheit zurückzugeben. Unser Unternehmen ist aus der Überzeugung entstanden, dass Prothesen funktional, ästhetisch und zugleich zugänglich sein sollten. Unsere Mission ist es, das Nutzererlebnis zu verbessern, indem wir Hightech mit einem menschlichen Ansatz verbinden.
Darüber hinaus wollen wir unseren gesellschaftlichen Beitrag leisten. Es geht uns nicht nur darum, ein verlorenes Glied zu ersetzen, sondern Leben zu verändern, den Zugang zu modernen Technologien zu erleichtern und zu zeigen, dass medizinische Innovation auch menschlich und nachhaltig sein kann.

Die Prothesen integrieren elektronische Komponenten
3DN: Wie werden Ihre Prothesen hergestellt? Was unterscheidet sie von anderen Lösungen auf dem Markt?
Unsere Prothesen sind vollständig individuell angepasst. Jedes Teil wird auf Basis der Anatomie und der Bedürfnisse der Nutzer:innen entwickelt. Wir kombinieren 3D-gedruckte Komponenten mit fortschrittlichen myoelektrischen Systemen, die durch künstliche Intelligenz gesteuert werden. Was uns besonders auszeichnet, ist unser ganzheitlicher Ansatz: Komfort, Design, eine intuitive Steuerung dank KI sowie ein zugängliches Geschäftsmodell mit Abonnement, inklusive Updates und Wartung.
Der große Unterschied ist eine gedankengesteuerte Prothese. Während die meisten Lösungen noch immer auf Muskelimpulse oder Tasten setzen, lernt unsere integrierte KI vom Körper der Nutzer:innen und passt sich ihren natürlichen Bewegungen an. So verschwimmt nach und nach die Grenze zwischen Mensch und Maschine.
3DN: Welche Drucktechnologie verwenden Sie bei Allow Motion? Welche Materialien kommen zum Einsatz?
Wir arbeiten mit industriellen 3D-Druckern mit mehreren Achsen bzw. 5-Achs-Systemen, um komplexe und passgenaue Bauteile herzustellen. Die Materialien wählen wir gezielt nach Biokompatibilität, Gewicht und Stabilität aus. Für die Teile, die mit der Haut in Kontakt kommen, verwenden wir flexible Polymere wie TPU. Für die tragenden Strukturen setzen wir auf technische Verbundwerkstoffe. Außerdem integrieren wir in bestimmte Bauteile direkt elektronische Komponenten, um eine präzisere und zuverlässigere myoelektrische Steuerung zu ermöglichen.

Die Prothesen werden mit mehrachsigen 3D-Druckern gefertigt.
3DN: Vor welchen Herausforderungen stehen Sie bei der Entwicklung Ihrer Produkte mit additiver Fertigung?
Die größten Herausforderungen sind die anatomische Präzision und die Frage, wie wir individuell angepasste Bauteile auch in größerem Maßstab zuverlässig herstellen können. Die hohe Personalisierung erfordert, dass wir Design, Materialien und Druckprozesse sehr gut beherrschen. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass die gedruckten Teile langlebig und sicher sind und die Kosten so bleiben, dass unsere Lösungen zugänglich sind. Auch die Integration von KI und gedruckter Elektronik ist technisch anspruchsvoll. Gleichzeitig ist genau das ein zentraler Bestandteil unserer Innovation.
3DN: Haben Sie zum Abschluss noch eine Botschaft für unsere Leser?
Wir bei Allow Motion sind davon überzeugt, dass Technologie dem Menschen dienen sollte. Unser Ziel ist es, Mobilität neu zu denken und Prothesen nicht mehr als Kompromiss zu sehen, sondern als echte Erweiterung des eigenen Körpers. Vielen Dank an 3Dnatives, dass innovative Unternehmen sich hier vorstellen dürfen. Schauen Sie gerne auf unserer Website vorbei, wenn Sie mehr erfahren möchten.
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*Bild: Allow Motion






