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Wie 3d60.works die Nachhaltigkeit der additiven Fertigung und Lieferung verbessern möchte

Am 1. Juli 2022 von Bianca Z. veröffentlicht

Überproduktion, verschwendete Ressourcen und Unwirtschaftlichkeit – all dies stellen heutzutage große Herausforderungen dar, wenn es um die traditionelle Fertigung von Gütern geht. Auch die Tatsache, dass Lieferengpässe und -verspätung immer öfter auftreten besorgt nicht nur Konzerne, sondern auch Kunden. Diese Faktoren haben Burkhard List und seine Frau Michaela List-Ebner dazu veranlasst, nicht weiter zuzusehen, sondern die Sache selbst in die Hand zu nehmen! Mit dem Ziel der urbanen Fertigung und die Wertschöpfung wieder dorthin zu bringen, wo sie hingehört, haben sie gemeinsam als Ehepartner den Schritt zu Geschäftspartnern gewagt. Als österreichisches Start-up möchten sie somit eine Kombination von Nachhaltigkeit an Logistikwegen mit dem Potenzial der additiven Fertigung für Konsumenten erzeugen. Wir haben uns mit Burkhard List für ein Interview zusammengesetzt, um mehr über sein Dasein als CEO von 3d60.works, dessen Prinzip wie auch zukünftige Pläne zu erfahren.

3DN: Können Sie sich und Ihre Verbindung zu AM bitte vorstellen?

Burkhard List, CEO bei 3d60.works (Bild: 3d60.works)

Ich wurde 1983 geboren und bin in einem mittelständischen Familienunternehmen aufgewachsen. Meine Jugend war von sehr großem Interesse an technischen Methoden und technologischen Prozessen geprägt. Aber das einfache Verstehen war und ist mir bis heute nicht genug, sondern das aktive Ausprobieren, Anwenden und Aneignen einer handwerklichen Fähigkeit war und ist bis heute mein Ziel. Die ideale Plattform um neue Fähigkeiten zu erlernen, bieten bis heute diverse fahrbare Untersätze – bis hin zum selbst gebauten Family- Camper. Die Entwicklung von AM verfolge ich seit meinem Studium und mich begeistert die Möglichkeit eines echten digitalen Produktentstehungsprozesses – von CAD bis hin zum physischen Produkt – den AM leisten kann. Aber eine neue Technologie macht noch keine Innovation. Es braucht dazu auch die Menschen, die den Nutzen einer Technologie erkennen und produktiv einsetzen können. Diese Kompetenz bringt meine Partnerin Michaela ein. Als ausgebildete Technikerin hat sie erkannt, dass es immer die Menschen sind, die einen Impact in einem Unternehmen hinterlassen – mit allen ihren Fähigkeiten und Eigenschaften. Eine Kombination dieser beiden Faktoren – Technologie und Menschen – im richtigen Verhältnis und zur richtigen Zeit, hat eben dann das Potential für disruptive Innovationen.

Genau diesen Zeitpunkt sehen wir jetzt auch gekommen.

3DN: Wie kam es zur Idee von 3d60.works? Und wie funktioniert das Prinzip im Detail?

Ich habe mir mitten in der Pandemie ein neues MTB zulegen wollen und die Probleme der Produzenten haben voll zugeschlagen. Die Massenfertigung in Billiglohnländern, knappe Materialverfügbarkeit und stockende Logistik hat dazu geführt, dass ich über 6 Monate auf mein Bike gewartet habe. Ich habe dann recherchiert warum es zu diesen Abhängigkeiten gekommen ist und die Antwort war immer das Verlangen nach Skalierung. Den entscheidenden Hinweis lieferte eine Studie von EY, die besagt, dass 2/3 der Teilnehmer gerne näher an deren Konsumenten produzieren würden, aber die Voraussetzungen dafür fehlen. Zusätzlich hat sich ein massiver gesellschaftlicher und politischer Druck zu mehr Nachhaltigkeit in der Fertigung und Lieferung von Produkten aufgebaut – simples green washing wird nicht akzeptiert. Genau hier trifft jetzt das Potential der AM-Technologie auf ein reales Bedürfnis der Menschen. Für diese Unternehmen entwickeln wir 3d60.works. Mit unseren Dienstleistungen begründen wir die Renaissance der urbanen Fertigung und bringen Wertschöpfung zurück an den Ort des Bedarfs. Durch die digitale DIRECT TRADE PLATFORM, dem globalen Netzwerk an 3D PRINT STATIONS und den lokalen GREEN MILE Logistiklösungen bietet 3d60.works seinen Kunden einen grünen und dezentralen Fertigungs- und Fulfillmentprozess mittels 3D Druck, der Produkte just in time, just on demand und just to design garantiert. 3d60.works garantiert die weltweilte dezentrale Fertigung von Originalprodukten und schließt die Lücke zwischen Product Owner und Konsumenten.

Ein Beispiel: Du brauchst einen neuen Fahrradsattel und findest einen Anbieter in Australien, der die Sättel maßgeschneidert anbietet. Die australische Brand nutzt 3d60.works als globalen Fertigungspartner und somit wählst du einfach die „3D Print Station“ deiner Wahl aus. Am Weg zur Arbeit kommst du an einer „3D Print Station“ vorbei, wo du 2 Tage später deinen neuen, an dich angepassten Fahrradsattel abholst.

3DN: Ein großer Aspekt scheint das Thema Nachhaltigkeit bei 3d60.works zu sein – welche Möglichkeiten sehen Sie in Zukunft noch, wie die additive Fertigung Prozesse nachhaltiger gestalten kann?

Wir sind klar davon überzeugt, dass die wertvollste Ressource, die ist, die wir nicht verschwenden. In der industriellen Fertigung ist das einerseits Überproduktion nur um Produktionsprozesse zu optimieren und andererseits die Unwirtschaftlichkeit von Reparaturen, weil Ersatzteile nicht verfügbar sind oder deren Herstellung zu teuer ist. Durch AM können zukünftig Produkte entwickelt und produziert werden, die zu 100% auf den einzelnen Konsumenten bzw. Kunden angepasst sind. Somit wird schon der Produktgestaltungsprozess nachhaltig, da er vom Kunden ausgeht und nicht von den Produzenten künstlich „vorgedacht“ wird. Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass sich mehr und mehr Geschäftsmodelle entwickeln werden, bei denen die Langlebigkeit von Produkten im Fokus stehen wird. Dazu gehört eben ein entsprechendes Design der Produkte und die Ersatzteilversorgung über einen langen Zeitraum. 

3d60.works setzt bei der Nachhaltigkeit auch auf die Lieferung per Fahrrad (Bild: 3d60.works)

3DN: Haben Sie bereits zukünftige Pläne für 3d60.works?

Wir haben das Konzept von 3d60.works über die letzten 18 Monate entwickelt und haben auch einen klaren go-to-market Plan für die nächsten 3 Jahre. Die erste 3D PRINT STATION ist als Flagshipstore konzipiert und soll im 2. Quartal 2023 in Betrieb gehen. Als Standort werden wir hier eine europäische Metropole wählen. Danach möchten wir einen progressiven Wachstumskurs verfolgen und so den Aktionsradius der Standorte auf maximal 75km reduzieren und somit ein Qualitätssiegel für nachhaltige Fertigung zu werden. Momentan befinden wir uns in Gesprächen mit Investoren.

3DN: Haben Sie noch abschließende Worte für unsere Leserschaft?

Ich sehe durch AM die Möglichkeit gegeben, Geschäftsmodelle ganz neu zu denken. Geschäftsmodelle, die den Konsumenten wieder zum mündigen Kunden werden lassen, der nicht als fiktive Durchschnittsperson, sondern als realer Entscheider in Erscheinung tritt. Um den Anspruch der Nachhaltigkeit von AM noch weiter zu steigern braucht es unbedingt eine größere Auswahl an natürlich abbaubaren Materialien.

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*Titelbildnachweis: 3d60.works

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