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Digitale Plattform für 3D-gedruckte Prothesen: Interview mit Mecuris

Auf 14. Mai 2018 von Kathrin J. veröffentlicht
Mecuris

3D-Druck findet oftmals Anwendung in medizinischen Bereichen und wird immer wichtiger im medizinischen Markt. Von Forschung über 3D-Biodruck bis hin zu einer Vielzahl an 3D-gedruckten Prothesen gibt es bereits viele fortschrittliche und innovative Entwicklungen, bei denen der 3D-Druck zur Optimierung von bereits bestehenden medizinschen Anwendungen genutzt wird. Genau hier knüpft auch das deutsche Unternehmen Mecuris mit ihrer digitalen Plattform an. Mecuris bietet ihren Kunden auf dieser Plattform mit Hilfe des 3D-Drucks patientenangepasste Orthesen und Prothesen an, die absolut passgenau sind und zudem dank der modernen 3D-Technologie auch sehr viel schneller hergestellt werden können. Wir wollten daher mehr über das noch junge Unternehmen wissen:

3Dnatives: Können Sie uns ein bisschen über Mecuris und seine Entstehung erzählen?

Mecuris wurde 2016 gegründet. Das Unternehmen mit inzwischen knapp 20 Mitarbeitern ist ein Spin-off des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sowohl die sechs Gründer als auch das restliche Team sind interdisziplinär aufgestellt aus Mediziner, Medizintechniker, Ingenieure, Produktionstechniker, Informatiker, Betriebswirte und Designer. Gemeinsam ermöglichen wir nationalen und internationalen Sanitätshäusern den Schritt ins digitale Zeitalter.

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Das Team von Mecuris (© Mecuris)

Dafür stellt das Team aus Experten den Orthopädiemechanikern ein digitales Versorgungsportal (Mecuris Solution Platform) mit 3D designbaren Produkten zur Verfügung, welche genau auf den Kunden anpassbar sind. Die notwendigen Passteile können direkt mitbestellt werden. Rund 100 Sanitätshäuser aus mehr als 30 Ländern und 6 Kontinenten sind bereits für das digitale Versorgungsportal registriert. Dabei wurde das Portal erst im Mai online gestellt. In Deutschland gibt es bereits seit Mitte 2016 erste Versorgungen – inklusive erfolgreiche Nachversorgungen durch starkes Wachstum wie es speziell bei Kindern der Fall ist.

3Dnatives: Was kann dank 3D-Druck in ihrer Branche ermöglicht werden im Vergleich zu traditionellen Herstellungsverfahren?

Der 3D-Druck hat mehrere Vorteile gegenüber dem traditionellen bzw. industriellen Herstellungsprozess. Grundsätzlich kann mit Hilfe des 3D-Drucks kostengünstiger produziert werden als es die Herstellung durch einen Orthopädietechniker ermöglicht. Auch für die Lieferzeit gilt: Produkte aus dem 3D-Drucker können über Nacht gefertigt werden. Der wohl größte Vorteil den es aktuell durch den 3D-Druck für Prothesen und Orthesen gibt, ist, dass diese individuell angepasst werden können und gleichzeitig CE-zertifiziert sind. 3D-Druck ist eine Fertigungstechnik, die es erlaubt, jedes einzelne Prothesenteil individuell auf die Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. Dies beinhaltet eine durch den Fachmann maßgeschneiderte Form, eine dem Träger entsprechende Funktionalität und nicht zuletzt auch eine große Freiheit bei der ästhetischen Gestaltung einer Prothesenversorgung.

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Der Ablauf vom Scan bis zur 3D-gedruckten Prothese (©Mecuris)

3Dnatives: Welche Vorteile bringt die Nutzung der 3D-Technologie für Mecuris und seine Kunden mit sich?

Durch die Kombination der 3D-Technologie mit unserer intuitiven Mecuris Solution Platform ermöglichen wir Orthopädietechnikern ohne 3D Design oder 3D Druck Vorkenntnisse Patienten zusammen angepasste Prothesen und Orthesen zu erstellen. Das kann die Produktivität der Experten zu 400% oder sogar mehr erhöhen.

Durch den 3D-Druck können wir zudem Zusatzfunktionen ermöglichen: Von Wasserfestigkeit über den integrierten Flaschenöffner bis hin zur selbst gestalteten Kosmetik – auch für Prothesenfüße.

Wie ein digitaler Gipsabdruck werden die Anatomie und die Maße des Prothesenträgers gespeichert. Dadurch kann eine Zweitversorgung – zum Beispiel zum Baden oder (Wasser-)Sport – viel schneller erstellt werden. Und bei einer Nachversorgung können anatomische Änderungen millimetergenau verglichen werden. Dies entspricht den neuesten regulatorischen Anforderungen der EU. Daher können nun erstmalig individuelle Prothesen und Orthesen CE-konform produziert werden – ein weltweites Novum.

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Die zwei unterschiedliche Strukturen der 3D-gedruckten Prothesen von Mecuris (©Mecuris)

3Dnatives: Was sind auf lange Sicht die Ziele bzw. die übergeordnete Vision von Mecuris?

Natürlich versuchen wir unsere Produkte laufend zu verbessern und darüber hinaus auch unsere Produktpalette zu erweitern. Die Erstellung von Hilfsmitteln soll zudem für die Fachleute noch schneller und einfacher gehen – gleichzeitig aber auch mehr Möglichkeiten bieten, ihre Expertise einzubringen.

Mecuris will weltweit eine Schlüsselposition im Bereich digital hergestellter Orthesen und Prothesen einnehmen. Mit uns gestalten Orthopädietechniker maßgeschneiderte Produkte und schaffen so mehr Lebensqualität für ihre Patienten – innerhalb von 24 Stunden.

3Dnatives: Wie sehen Sie die Zukunft und die Entwicklung des 3D-Drucks in den Bereichen Gesundheit und Orthopädie?

Die O&P Branche steht erst am Anfang, was 3D-Druck und Digitalisierung betrifft. Zukünftig wird die Produktionszeit sinken und damit auch die Behandlungszeiten. Die Druckkosten werden durch verbesserte 3D-Drucker und Serviceleistungen jährlich günstiger. Das ist allerdings nicht der einzige Trend:

  • Hybridfertigung: Mehrzweckmaschinen, die additive Prozesse wie 3D-Druck mit subtraktiven Prozessen wie Fräsen kombinieren, werden zunehmen. Solche Maschinen verbinden das Laserauftragschweißen oder das Metallpulverauftragsverfahren mit Fräsverfahren und ermöglichen so die Bearbeitung eines Werkstücks in einem Schritt. Durch die Kombination der additiven Fertigung für maßgefertigte Teile mit der subtraktiven Fertigung für Normteile ergeben sich weitere Kostenvorteile.
  • Intelligente Materialien: Intelligente Materialien reagieren unabhängig auf veränderte Umwelteinflüsse, wie Temperaturanstieg oder mechanische Belastungen. Prothesen können „4D-gedruckt“ sein und ihre Flexibilität an die Belastung anpassen. Die Prothese hat daher immer diejenige mechanische Steifigkeit, die an die gerade durchgeführte Aktivität angepasst ist. Andere neue Materialien erkennen kleine Risse, die aufgrund von mechanischer Beanspruchung beginnen, und sind in der Lage, die resultierenden Materialdefekte selbst zu beseitigen. Selbstheilende Materialien ermöglichen extrem leichte, aber dennoch langlebige Prothesen und Orthesen.
  • Intelligente Prothetik: Schrittzähler, wie sie von Fitness-Trackern bekannt sind, werden ohne großen technischen Aufwand in die Prothese integriert. Der aktive Patient wird somit regelmäßig über sein Fitnessniveau informiert. Dies wird die Rehabilitation beschleunigen und die Überwachung physiologischer Parameter ermöglichen, um die optimale Patientenmobilität zu gewährleisten. Andere Sensoren könnten Messvorrichtungen umfassen, die die mechanische Belastung der Prothese sowie des Prothesenschaftes und -stumpfs überwacht.
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3D-gedruckte Fußprothese (©Mecuris)

3Dnatives: Haben Sie noch etwas, was sie unseren Lesern als letztes Wort gerne mitgeben würden?

Wir sind uns sicher, dass diese Trends nicht allein durch einen Orthopädieexperten, einen Konstrukteur oder einen Programmierer realisierbar sind. Nur ein interdisziplinäres Team kann es den Patienten ermöglichen, schnell mobil und aktiv zu werden. Mecuris setzt deswegen nicht nur auf internes Wissen, sondern möchte in enger Zusammenarbeit mit Orthopädietechnikern, Krankenhäusern, Krankenversicherungen und industriellen Marktführern aus den Bereichen 3D-Druck, 3D-Konstruktion, Simulation, usw. eine besser Versorgung sicherstellen. Wir möchten gerne alle Interessenten, Ideengeber und Spezialisten dazu einladen, an dieser Entwicklung im Sinne der Anwender mitzuwirken.

Mehr Informationen über das Unternehmen Mecuris und die Möglichkeiten, die ihre digitale Plattform bietet, finden Sie auf der offiziellen Webseite von Mecuris.

Wie stehen Sie zu diesen Entwicklungen im medizinischen Bereichs durch 3D-Druck und was denken Sie wird die Zukunft diesbezüglich bringen?

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