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Top 12: Wie der 3D-Druck unseren tierischen Freunden hilft

Am 24. August 2021 von Raphael S. veröffentlicht

Der 3D-Druck findet Anwendung in sämtlichen Bereichen und erleichtert heute nicht nur uns Menschen das Leben: die additive Fertigung kann auch für sämtliche andere Lebewesen nützlich sein. Wir kennen ja bereits Firmen, die sich auf die Herstellung von individuellen Prothesen für Menschen fokussiert haben und so den medizinischen Fortschritt weiter vorantreiben – doch auch unsere tierischen Freunde sollen nicht zu kurz kommen. Denn dank der Technologie und präzisen Scans haben heute auch verschiedenste Tiere das Glück, eine maßgeschneiderte 3D-gedruckte Prothese oder Orthese zu erhalten, die ihr Leben erheblich verbessert. Obwohl unsere Auswahl keineswegs vollständig ist, wollen wir Ihnen hiermit einige unserer Lieblingsbeispiele des 3D-Druck für Tiere vorstellen.

Paris Shelton der Einsiedlerkrebs

Der Einsiedlerkrebs Paris Shelton hatte bisher nicht viel Glück in seinem Leben, denn aufgrund eines weltweiten Mangels an Muscheln musste er bisher ohne ein anständiges Zuhause auskommen. Viele Krebse teilen dieses Schicksal und nutzen jeglichen Müll, den sie finden können, wie z. B. Glasflaschen, um daraus einen Unterschlupf zu bauen. Um den Krebsen das Leben zu erleichtern, hat Makerbot schließlich das Shellter-Projekt ins Leben. Es handelt sich dabei um eine Gemeinschaftsinitiative, mit welcher es gelingen soll, den Meerestieren durch 3D-Druck ein neues Zuhause geben und dabei die Umwelt zu schützen. Zur Umsetzung wurde die Hilfe von Makern in Anspruch genommen, welche neue Muscheln entwerfen sollten. Die Entwürfe wurden im Anschluss 3D gedruckt und in die Umgebung der Krabben und Einsiedlerkrebse integriert – eine Aktion, durch welche den Krebsen das Leben gerettet wird.

Mit der Unterstützung von Thingiverse hat Makerbot und TeamUSA auch andere Maker dazu aufgerufen, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und neue Schalenentwürfe zu entwerfen, welche dann mit dem Tag „SHELLTER“ auf Thingiverse hochgeladen werden sollten. Von hier aus druckt das Team die Muscheln in 3D und integriert sie im Krabbenhabitat (oder Crabitat) in der Botcave in Brooklyn, New York. Mithilfe der Crabitats können die Vorlieben der Krabben erkannt und dazu beigetragen werden, die aktuelle Einsiedlerkrebs-Krise zu beenden.

Bild: MakerBot

Waddles, die Ente mit Prothese

Die Ente Waddles wurde mit einem deformierten Bein geboren, hatte jedoch das Glück, Derrick Campana, einem auf Tiere spezialisierten Orthopädietechniker, über den Weg zu laufen. Um Waddles zu helfen, druckte der Prothetiker ein künstliches Bein für die Ente in 3D. Dazu fertigte er zunächst einen Abdruck des Fußes an, scannte und modellierte die Form und druckte schließlich die Prothese in der Annahme, dass sie wie der eigentliche Fuß funktionieren würde. Auch wenn die Ente anfangs Schwierigkeiten hatte, sich an die Prothese zu gewöhnen, läuft sie jetzt perfekt und stützt sich bei Bedarf ohne zu zögern darauf ab!

  

3D-gedruckte Hufeisen

Hufeisen sind definitiv Teile, von denen man nie gedacht hätte, dass sie in 3D gedruckt werden können. Nun, wir müssen feststellen, es gibt sie nicht nur schon, sondern sie sind auch ziemlich gut angenommen worden. Konkret war es das australische Unternehmen CSIRO, das 3D-gedruckte Hufeisen mit dem Namen „Titanium Shoes“ hergestellt hat. Bei dem Projekt wird Titan anstelle von Aluminium verwendet, um daraus Rennhufe herzustellen, die Pferden eine bessere Leistung ermöglichen sollen. Dazu wurden 3D-Scantechnologien eingesetzt, die den Huf des Tieres digitalisieren, so dass die Teile mit einer speziellen Software 3D-modelliert werden können. Der Scanvorgang dauert nur wenige Minuten. Im Anschluss können die maßgeschneiderten Hufe für das Pferd noch am selben Tag hergestellt und gedruckt werden.

Das CSIRO war führend unter den 3D-gedruckten Hufeisen. Obwohl diese weniger Einfluss auf die Lebensqualität nehmen, stellen sie dennoch wichtige 3D-gedruckte Prothesen für Tiere dar (Bildnachweis: CSIRO)

Turbo der Chihuahua

Der inzwischen auf Instagram berühmte Chihuahua Turbo Roo wurde ohne seine beiden Vorderbeine geboren und konnte weder laufen noch mit seinen anderen Hundekumpels mithalten. Mit diesem viralen Moment erregte der süße zweibeinigen Welpe jedoch die Aufmerksamkeit eines Luft- und Raumfahrtingenieurs in San Diego, der daraufhin ein Rollstuhlgeschirr für Turbo Roo entwarf, 3D-druckte und das Gefährt mit Rollerblade-Rädern versehen hat. Dank seiner 3D-gedruckten Räder ist Turbo Roo nun immer in Bewegung und wird zum Sinnbild dafür, wie der 3D-Druck Tiere glücklich machen kann!

 

AKUT’s neuer Schnabel

AKUT-3, die Schildkröte aus der Türkei, ereilte ein trauriges Schicksal: Nach einem verheerenden Bootsunfall fehlten ihr etwa 60 Prozent ihres Kiefers, so dass sie nicht mehr fressen konnte und in freier Wildbahn kaum eine Überlebenschance hatte. Doch dank des türkischen Unternehmens BTech Innovation, das sich auf medizinische Prothesen spezialisiert hat, konnte AKUT-3 dank eines 3D-gedruckten Titankiefers ein neues Leben beginnen.

Der Prozess, um AKUT zu helfen, begann ähnlich wie bei jedem menschlichen Patienten. Die Betreuer der Schildkröte im Forschungs-, Rettungs- und Rehabilitationszentrum der Universität Pamukkale schickten Scans des beschädigten Kiefers an Btech Innovation, die daraufhin ein maßgeschneidertes Implantat aus medizinischem Titan (dem bevorzugten Material für viele Prothesen, auch für solche aus dem 3D-Druck) für die Schildkröte anfertigen konnten – möglicherweise der erste 3D-Kiefer, der für eine wild lebende Tierart hergestellt wurde.

Bild: BTech Innovations

Die Operation für AKUTs neuen Kiefer dauerte 2,5 Stunden und wurde sowohl von Chirurgen als auch von Tierärzten durchgeführt. Nach der Operation scheint sein Körper den neuen Kiefer akzeptiert zu haben, und obwohl es nicht viele Neuigkeiten gibt, ist es wahrscheinlich, dass er, sobald er wieder bei Kräften ist, wieder ausgewildert wird, was das eigentliche Ziel des Teams war.

Alaska das Meerschweinchen

In Toronto, Kanada, konnte das Meerschweinchen Alaska seine Mobilität zurückgewinnen, nachdem ihm aufgrund einer Gebärmutterinfektion im Anschluss an die Geburt ein Vorderbein amputiert werden musste. Alaskas Besitzerin konnte dafür die Hilfe eines digitalen Designers in Anspruch nehmen, der den Ultimaker 2+ 3D-Drucker der Bibliothek von Toronto nutzte, um einen Rollstuhl für das kleine Tier zu fertigen. Während die örtlichen Tierärzte nur Rollstühle für größere Tiere anbieten konnten, wurde für Alaska ein maßgeschneiderter Rollstuhl in 3D gedruckt, der den 700 Gramm schweren Körper unterstützt.

Bild: Toronto CTV News

3D-gedruckter Helm für Bo, die Baby-Ziege

Bo, der Ziegenbock, wurde mit einem großen Loch im Schädel geboren, durch welches sein Hirngewebe frei liegt. Dank seines maßgeschneiderten TPU-Helms von Dive Design ist sein Gehirn jetzt jedoch geschützt. Da Bo noch ein wachsender Ziegenbock ist, braucht er alle paar Wochen einen neuen Helm, da sich seine Kopfgröße ändert. DiveDesign nutzte einen 3D-Scan und schickte Bo diesen Sommer einen neuen Helm!

Bild: Goats of Anarchy

Schnabel von 3D Systems für Grecia (der Tukan)

Grecia hat die Ehre, der erste Tukan zu sein, der einen 3D-gedruckten Schnabel erhalten hat. Grecia stammt aus Costa Rica und hatte das Pech, von Teenagern angegriffen zu werden, wobei der Täter nie gefunden wurde. Leider verlor sie bei diesem Vorfall mehr als die Hälfte ihrer Schnabelspitze. Das war zwar verheerend, aber für Grecia war es ein besonderes Problem. Für Tukane ist der Schnabel ein wesentlicher Bestandteil ihrer Anatomie, mit dem sie nicht nur essen und sprechen, sondern auch die Temperatur ihres Körpers regulieren können.

Grecia’s beak is yet another example of how 3D printed prosthetics can help animals (photo credits: Bob J Galindo – Own work, CC BY-SA 4.0, via Wikipedia Commons )

Aufgrund der Brutalität des Angriffs waren viele nicht sicher, ob sie überleben würde. Der schreckliche Vorfall inspirierte jedoch Menschen, um nach Möglichkeiten suchten, ihr einen neuen Schnabel zu verschaffen – darunter auch ein 3D-Druckunternehmen aus den USA, das schließlich beschloss, dem Tier zu helfen. Zur Herstellung der Schnabelprothese scannte das Team den Schnabel eines anderen verstorbenen Tukans. Der Schnabel wurde dann aus Nylon hergestellt und in einer SLS-Maschine zusammengesetzt, wobei weitere Einzelheiten nicht bekannt gegeben wurden. Auf jeden Fall war Grecias Rehabilitation dank des 3D-Drucks erfolgreich und sie wurde sogar zu einem Symbol gegen Tiermissbrauch in Costa Rica.

Alejandro Collis kostenlose 3D-gedruckte Prothetik für Haustiere

Der 3D-Druck wird immer häufiger für die Herstellung von 3D-gedruckten Prothesen für Haustiere eingesetzt, für die es früher vielleicht keine andere Möglichkeit gegeben hätte. Einer von ihnen ist der argentinische Computertechnik-Student Alejandro Colli, der verletzten Hunden mit 3D-gedruckten Prothesen helfen will. Wie viele der jüngeren Generationen begann sein Projekt auf Twitter, wo er einen Aufruf an seine Follower startete und ankündigte, dass er 3D-gedruckte Prothesen speziell für Hunde herstellen würde. Nachdem er sich mit einer nahe gelegenen Tierklinik in Verbindung gesetzt hatte, begann er mit der Herstellung seiner ersten Prothesen.

Die erste Prothese, die er herstellte, brauchte mehrere Monate, bevor sie an einem Tier ausprobiert werden konnte, obwohl er mit der Zeit immer schneller wurde. Er verschenkte die Prothesen kostenlos und schickte sie in verschiedene Länder Südamerikas, darunter Argentinien, Panama, Mexiko, Kolumbien und Chile.

Alejandro Colli

Mr. Stubbs, der Alligator mit einem 3D-gedruckten Schwanz

Dieser amerikanische Alligator namens Mr. Stubbs verlor vor einigen Jahren seinen Schwanz, als er von einer Gruppe von Tierhändlern illegal transportiert wurde. Nachdem es einige Zeit lang nicht gelungen war, eine geeignete Prothese für ihn zu finden, wandte sich ein Expertenteam der 3D-Technologie zu, um dem Tier eine bessere Lebensqualität zu verschaffen. Sie verwendeten dafür einen Artec 3D-Scanner, um ein spezielles Anhängsel für den Alligator herzustellen. Dank der hohen Präzisionsgenauigkeit konnten sie dem Tier einen gut sitzenden Schwanz anfertigen, der vollständig auf seine Größe und Körperzusammensetzung zugeschnitten war. Glücklicherweise nahm Herr Stubbs die neue Prothese bereitwillig an und integrierte sie schnell in die Art und Weise, wie er seinen Körper bewegt.

 
 

Fred, die Schildkröte und die „Animal Avengers“

In einem weiteren Beispiel von 3D-gedruckten Prothesen für Tiere, genauer gesagt für Amphibien, erhielt Fred, die Schildkröte, in Brasilien seinen eigenen 3D-gedruckten Schildkrötenpanzer – eine Premiere in der Welt des 3D-Drucks. Nachdem er bei einem Waldbrand 85 % seines Panzers verloren hatte, baute eine Gruppe von Freiwilligen der „Animal Avengers“ seinen Panzer anhand von vierzig Fotos gesunder Schildkröten nach. Die vierfach gedruckten Teile benötigten 50 Stunden Druckzeit und wurden mit einem FDM-Desktopdrucker aus Kunststofffilament gedruckt. Der Panzer wurde dann von einem freiwilligen Künstler bemalt, um ihn realistischer aussehen zu lassen. Danach konnte sich Fred in seinem neuen Zuhause wohlfühlen und ein langes und glückliches Leben mit seinen anderen Schildkrötenfreunden führen.

Bild: Noticias

Bagpipes der Pinguin

Nach einem Zusammenstoß mit einer Angelschnur im Jahr 2007 war das Bein des Pinguins Bagpipes zu stark beschädigt, so dass die einzige Möglichkeit darin bestand, es zu amputieren. Seitdem hüpfte er in seiner Heimat, dem Internationalen Antarktiszentrum in Christchurch, Neuseeland, auf einem Fuß herum. Nachdem er fast 10 Jahre lang auf einem Bein herumgehumpelt war, wurde 2016 mit Hilfe von Professor Dr. Clucas von der University of Canterbury in Neuseeland eine Prothese entworfen und gedruckt, um dem alten Vogel den Lebensabend zu erleichtern.

Bild: Christchurch Antarctic Centre

Während der Herstellung des Beins stieß Dr. Clucas auf einige Schwierigkeiten beim Scannen seines Beins, da er nicht aufhörte, es zu bewegen und zu wackeln, was den Prozess letztendlich erschwerte. Nachdem er endlich den perfekten Scan erhalten hatte, begann der 30-stündige Druckprozess. Dr. Clucas verwendet einen Kunststoff, um den Fuß zu erstellen, und arbeitet mit neueren Modellen weiter an Verbesserungen, wie z. B. einem leichteren Anklipsen und einem Gummimaterial, um den Halt zu verbessern. Dank des 3D-Drucks und Dr. Clucas kann Bagpipe nun ein erfülltes Leben führen und vom Wackeln zum Watscheln übergehen.

Kennen Sie noch weitere 3D-Druck Beispiele für Tiere? Lassen Sie uns zu diesem Thema gerne einen Kommentar da oder teilen Sie es uns auf FacebookTwitterLinkedIN oder Xing mit. Möchten Sie außerdem eine Zusammenfassung der wichtigsten Neuigkeiten im 3D-Druck und der additiven Fertigung direkt und bequem in Ihr Postfach erhalten? Dann registrieren Sie sich jetzt für unseren wöchentlichen Newsletter!

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