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3D-Druck Challenge sucht kreativste Ideen im Bereich AM

Am 21. März 2022 von Bianca Z. veröffentlicht

In den letzten Jahren hat sich nicht nur das Angebot von Unternehmen im Bezug auf die additive Fertigung erweitert, sondern auch das Schul- und Ausbildungsprogramm. Fachkräfte in diesem Bereich gelten als besonders schwer zu bekommen und sind regelrechte Mangelware. Um diesen Bereich allerdings verstärkt demokratisieren zu können und aufzuzeigen, welche Möglichkeiten in jedem 3D-Druck-Enthusiasten steckt, veranstaltet die Hochschule Neu-Ulm (HNU) zum dritten Mal in Folge ihre bekannte 3D-Druck Challenge. Hier werden innovative Ideen rund um 3D-gedruckte Produkte oder 3D-unterstützende Serviceleistungen von einer hochkarätigen Jury, bestehend aus namenhaften Unternehmen aus führenden Wirtschaftsbereichen, bewertet – inklusive toller Preise und einer tollen Chance, die 3D-Druck Challenge als Sprungbrett zu nutzen!

3DN: Könnten Sie sich und die deutsche 3D-Druck Challenge vorstellen?

Kunze: Mein Name ist Prof. Dr.-Ing. Oliver Kunze, und ich forsche zusammen mit meinem Team u.a. zum Thema 3D-Druck in der Logistik.

Li: Mein Name ist Dr. Fang Li, ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HNU und bin für die Organisation der 3DDC 2022 zuständig. Die 3DDC ist ein Wettbewerb, an dem alle 3DD-Tüftler aus Deutschland teilnehmen dürfen und Preise im Gesamtwert von ca. 10.000 € gewinnen können.

Frommer: Mein Name ist Fabian Frommer und ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand an der Hochschule Neu-Ulm. Die 3DDC ist ein Ideenwettbewerb, bei dem innovative 3D-gedruckte Produkte und Konzepte bewertet werden. Neben der technischen Umsetzung steht insbesondere das Geschäftsmodel im Mittelpunkt. Die Challenge richtet sich an alle 3D-Druck-
Begeisterte und soll den Unternehmergeist fördern. Die besten Teams präsentieren ihre Idee im Finale vor einer Jury, die aus Geschäftsführern mehrerer Firmen besteht.

3DN: Welche Verbindung haben Sie selbst zur additiven Fertigung?

Kunze: Nach meiner Einschätzung stellt die additive Fertigung gerade im Bereich der Logistik eine disruptive Technologie dar, die das Potential besitzt, sowohl den physischen Warentransport durch Datentransfer als auch die Lagerhaltung von physischen Gütern durch die Speicherung von entsprechenden 3D-Druckdaten zu ersetzen, und die benötigten Teile dann bei Bedarf durch Vor-Ort-3D-Druck herzustellen. So lassen sich Transporte und Lagerflächen mittelfristig signifikant reduzieren. Darüber hinaus eröffnet 3D-Druck aber auch weitere ökonomische und konkrete ökologische Potentiale, z.B. durch Leichtbau, die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen, oder die Lebenszyklusverlängerung von Produkten durch individuelle Ersatzteilherstellung mit Hilfe von 3D-Druck.

Frommer: Im Rahmen meiner Dissertation beschäftige ich mich schon seit längerem mit der additiven Fertigung und entsprechenden Auswirkungen auf die Logistik und den Verkehr im urbanen Raum. Ein großer Teil meiner Forschung ist die praktische Erprobung von verschiedenen 3D-Druck Technologien im Labor.

Li: Auch ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit dem 3D-Druck. In unserem Logistik-Labor an der HNU betreiben wir derzeit 3 verschiedene 3DD Technologiearten (MEX, VPP und PBF). Aus meiner Erfahrung in der Zusammenarbeit mit 3D-Druck-Einsteigern scheint es mir wichtig, sich einfach Zeit zu nehmen und Mühe zu geben, um von einer ersten Idee bis zum finalen Druck eines Objekts zu kommen – dabei ist „Learning by Doing“ wirklich sehr hilfreich. Und die Technologien haben sich in der letzten Zeit so weit entwickelt, dass eine ganze Anzahl von unterschiedlichen Druckverfahren heute nicht nur für die Industrie, sondern auch bereits für private Nutzer in der Anwendung recht unkompliziert sind.

Die HNU verfügt über verschiedene 3D-Drucktechnologien, links: SLA Drucker, rechts: SLS Drucker (Bild: HNU)

3DN: Wie kam es zu der Idee der 3DD Challenge und welches Ziel verfolgen Sie dadurch?

Kunze: Das Konzept zur 3DDC entstand 2019 im Rahmen von unserem Transferverbund InnoSÜD. InnoSÜD ist ein Verbund der Hochschulen Biberach, Neu-Ulm, Ulm und der Universität Ulm in Zusammenarbeit mit Praxispartnern, in dem wir als HNU federführend das Thema Transformationsmanagement untersuchen. Transformationsmanagement ermöglicht es Unternehmen und Organisationen, erfolgreich mit sich ständig verändernden Umwelten umzugehen. Digitalisierung, Ressourcenmanagement oder demographischer Wandel und ihre Auswirkungen sind aktuelle Herausforderungen, mit denen wir uns beschäftigen. Wir interessieren uns dabei besonders für das Potential von 3D-Druck für neue Geschäftsmodelle, sowohl für Gründer und Start-Ups, als auch für innovationsstarke bestehende Unternehmen. Seit 2020 führen wir die Challenge einmal im Jahr zusammen mit unseren Preisstiftern durch. Ziel der Challenge ist es, Wissen im Bereich 3D-Druck zu transferieren und die Teilnehmer dazu zu motivieren, sich Gedanken über die Geschäftspotentiale der additiven Fertigung zu machen. Außerdem soll dadurch die Vernetzung der 3D-Druck Community gefördert werden.

3DN: Welche Einreichung hat Sie in den letzten beiden Jahren besonders überzeugt? Und wieso?

Frommer: Im letzten Jahr hat mich besonders die Vielfalt der Einreichungen begeistert. Von aufwendig gefertigten Deko-Artikeln bis hin zu ausgereiften Medizinprodukten war alles dabei. Hervorzuheben ist das Gewinnerteam „Pelvisio“, welches ein 3D-gedrucktes anatomisches Ausbildungsmodel eines weiblichen Beckens präsentierte. Dieses wird bereits erfolgreich in der ärztlichen Ausbildung eingesetzt und trägt dazu bei, das „Gender-Health-Gap“ zu schließen. Außerdem hat mich ganz allgemein die Begeisterung für den 3D-Druck beeindruckt.

Kunze: Mich persönlich hat auch das Team „Tiger Toe“, die Zweitplatzierten von 2021 sehr begeistert. Mit ihrer Idee, fußamputierten Kindern mit 3D-gedruckten Prothesen in jeder Wachstumsphase das Gehen wieder zu ermöglichen, sehe ich insbesondere in Krisengebieten gute Erfolgschancen. Hier können die Potentiale des 3D-Drucks zur Individualisierung und zur Einzelstückfertigung vor Ort besonders gut zum Einsatz kommen. Wunderbar waren außerdem die vielen Ideen, wie man durch 3D-Druck Menschen mit Einschränkungen konkret helfen kann – ob bei Körperhaarverlust durch 3D-gedruckte individuelle Augenbrauenstempel oder durch eine Strickhilfe für Einhändige. Auch technische Verbesserungsideen wie den Luftabstreifer (3. Platz 2021) oder das Arbeitsschutztool Xdolino zum schnittverletzungsfreien Öffnen von Paketen fand ich großartig. Und „Haptic Bytes“, die Gewinner von 2020, haben mich mit Ihrer Idee begeistert, aus Datenstrukturen dreidimensionale Kunstobjekte zu schaffen, aus denen man diese Daten mit einer App sogar wieder auslesen kann.

Das Becken einer Frau aus dem 3D-Drucker soll große Vorteile in der Medizin hervorbringen (Bild: HNU)

3DN: Gibt es schon Ideen zu der Zukunft der 3D-Druck Challenge?

Li: Wir haben in 2020 mit der süddeutschen 3DDC angefangen und 2021 haben wir bereits Einreichungen aus ganz Deutschland bekommen. Für die Zukunft sehen wir die Möglichkeit, die Challenge auch für internationale Teilnehmer zu öffnen, da wir bereits vereinzelte Einreichungen aus dem europäischen Ausland hatten. Dazu müssten wir die Challenge dann künftig zwar auf Englisch ausschreiben, aber das wäre sicher kein Problem.

3DN: Haben Sie noch letzte Worte für unsere Leserschaft?

Li: Falls Sie gerade auf der Suche nach einer tollen 3DD-Challenge sind, melden Sie sich einfach auf HIER für die Challenge 2022 an und beginnen Sie gleich damit, Ihre Ideen in die Tat umzusetzen.

Kunze: Dabei kommt es zunächst auf eine gute Idee für ein 3D-gedrucktes Produkt oder einen 3D-Druck-Service an, und in der zweiten Runde schauen wir dann auch darauf, wie weit sich mit dieser Idee Geld einsparen oder verdienen lässt. Und die Preisträger werden dann im Finale von einer hochkarätigen Fachjury ermittelt. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Ideenausbrüten und Tüfteln, und freuen uns auf Ihre Einreichungen.

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*Titelbildnachweis: HNU

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