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Experteninterview: Wie finde ich den richtigen 3D-Drucker?

Ob Anfänger, fortgeschritten Nutzer oder Industrie-Profi – die Auswahl des richtigen 3D-Druckers bleibt eine schwierige Angelegenheit. Der Markt ist stark umworben und man verliert leicht den Überblick bei der großen Auswahl an 3D-Druckern. Um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen, hat 3Dnatives drei Experten aus jeweils verschiedenen Bereichen des 3D-Drucks befragt: ein FabLab, einen 3D-Druck-Dienstleister und einen Händler.

Auf welche Kriterien sollte man besonders achten, wenn man einen 3D-Drucker kaufen will? Ist ein größeres Bauvolumen wichtiger als die Doppel-Extruder-Funktion oder doch lieber eine Maschine mit heizbarem Printbett? Wähle ich Open Source oder ist ein proprietärer 3D-Drucker die bessere Wahl für mich? Finden Sie im Folgenden die besten Tipps unserer Experten Diogo Quental, CEO bei Deutschlands größtem 3D-Druckerhändler iGo3D; Jan Thar, leitender Manager des FabLabs Aachen sowie CEO und Gründer von 3D-Dienstleister 3YOURMIND Stephan Kühr.

Diogo Quental, CEO bei iGo3D

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Diogo Quental, CEO iGo3D

Diogo Quental besitzt einen ausgezeichneten Ruf in der 3D-Printingindustrie. Bevor er im August 2015 zum CEO bei iGo3D berufen wurde, war er Co-Founder und später Geschäftsführer beim Hersteller für Desktop-3D-Drucker BEEVERYCREATIVE. Als führender Großhändler gehören beratende Tätigkeiten zur Hauptaufgabe bei iGO3D. Um den Kunden bei der Auswahl des richtigen Druckers helfen zu können, ist es „essentiell zu wissen welche Verwendung beabsichtigt wird“, erklärt Diogo Quental.

Quental unterscheidet zwischen Professional, Non-Professional und Home-User: „Professional-User sind Industriefirmen, die in der Regel qualitativ hochwertige Produkte herstellen wollen. Non-Professional User teilen die Leidenschaft für Technologie und lieben es an ihren 3D-Druckern zu schrauben“, so Quental. „Während Professional User Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Genauigkeit, Auflösung, Robustheit und Baugröße schätzen und weniger auf Attribute wie Design, Preis, Instandhaltungskosten und Benutzerfreundlichkeit“, erläutert er weiter „achten Non-Professional User vermehrt auf den Preis und kaufen ausschließlich Open-Source Drucker.“

Die Dritte Gruppe der Home-User dagegen sind technisch meistens nicht derart versiert und finden die Idee, Objekte anhand einer digitalen Datei drucken zu können, sehr spannend und entscheiden sich oft deshalb einen benutzerfreundlichen Plug&Play-Drucker zu kaufen.

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Anfängern empfiehlt Quental einen 3D-Drucker von XYZprinting, aufgrund der hohen Benutzerfreundlichkeit und eines erschwinglichen Preises.

Jan Thar, FabLab-Manager Aachen

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FabLab-Manager Jan Thar

Seit 2009 haben Do-It-Yourself-Begeisterte in Aachen, dem ersten FabLab Deutschlands, Zugang zu Fräsen, Lasercuttern und einer großen Auswahl an 3D-Druckern. Die öffentliche Werkstatt wurde von der RTWH Aachen unter der Leitung des Lehrstuhls für Informatik und Mensch-Computer-Interaktion eingerichtet. Wir hatten die Gelegenheit FabLab-Manager Jan Thar um Rat bei der Wahl des geeigneten 3D-Druckers zu fragen.

Neben 3D-Druckern der Marken Prusa, Rostock, Makerbot, Dremel, Ultimaker und Form2 besitzt das FabLab Aachen auch einen professionellen 3D-Drucker der Marke Dimension Elite von Branchengröße Stratasys. Die Wahl des 3D-Druckers „hängt sehr vom Anwendungsgebiet ab“, so Thar. „Für bestimmte Anforderungen müssen bestimmte Druckverfahren ausgewählt werden. So haben wir uns aus Gründen des Prototypenbaus für Benutzerstudien für FDM-Drucker entschieden, da diese entsprechend robust sein müssen.“ Ein weiterer Punkt sind die vergleichsweise geringen Materialkosten, die mit FDM-Druckern einhergehen, erklärt Thar.

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Links Elite Dimensions 3D-Drucker und rechts Dremel FDM-Drucker

Hinsichtlich der Druckgeschwindigkeit sieht Thar bei 3D-Druckern eine allgemeine Schwäche. „Ein Nachteil der Drucker ist tatsächlich die Druckzeit. Solange man den Drucker problemlos über Nacht laufen lassen kann, ist dies aber relativ unproblematisch.“ Jan Thars wichtigsten Kriterien bei der Wahl des richtigen 3D-Druckers sind: Kompatibilität mit dem zu verarbeitenden Material, Zuverlässigkeit beim Druck (nach Erfahrungsberichten) und die größtmögliche bezahlbare Baugröße. Die Druckqualität spielt für die Zwecke des FabLabs eine eher untergeordnete Rolle. So auch die Benutzerfreundlichkeit und die Konnektivität (WLAN, SD-Card, etc).

Stephan Kühr, CEO und Gründer von 3YOURMIND

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CEO und Gründr von 3YOURMIND Stephan Kühr

Als dritten Experten haben wir Stephan Kühr von 3YOURMIND, einem der führenden Serviceanbieter im Bereich 3D-Druck zum Thema „Wie finde ich den richtigen 3D-Drucker“ befragt. Das in Berlin ansässige Unternehmen bietet ein kostenloses Onlinetool zur Prüfung und Optimierung  Ihrer Druckprojekte an. Darüber hinaus stellt 3YOURMIND die Verbindung zu einem geeignetem Printservice-Anbieter her. Per Vergleichssystem kann man sich je nach Preis, Material und Lieferzeit für den passenden Printservice entscheiden. Siemens, Daimler, Volkswagen und Miele zählen zu den Kunden von 3YOURMIND.

„Wir können die Wichtigkeit, den Drucker dem Material und der Erwartung des Projekts anzupassen, nicht überschätzen“, sagt Kühr. „Zwei primäre Faktoren engen die Wahl des richtigen 3D-Druckers unserer Kunden ein: Materialtyp und Bauvolumen. Wenn beispielsweise das Projekt eine hohe Resolution und Detailgenauigkeit erfordert, dann ist auf Konsumentenbasis ein SLA-Drucker (Flüssigharz) eine gute Option. Will man jedoch in Metall drucken, sollte man sich Drucker anschauen, die mit dem gewünschten Material bereits getestet wurden.“ Das Bauvolumen ist der zweite „Dealbreaker“ bei der Wahl des richtigen 3D-Druckers. Mittelgroße Objekte engen die Wahl stark ein. „Am Ende“, so Kühr „ ist es eine Frage von Budget vs. Quality.“

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SLA-Drucker Form 2 druck mit hohem Detaillierungsgrad.

Anfängern empfiehlt Kühr den Ultimaker 2+. „Die Kostenlose Slicing Software ‚Cura‘ ist für Anfänger sehr leicht zu verstehen und zu bedienen. Außerdem gibt es für Drucker die das FDM Verfahren nutzen eine große Auswahl an Materialien wie PLA, ABS, PET, PC etc. “ Fortgeschrittenen Usern empfiehlt er den Form2 von Formlabs. „Er benötigt zwar etwas mehr handwerkliches Geschick in der Nachbearbeitung, dafür ist die Software sehr leicht zu bedienen und der Drucker liefert gute Ergebnisse.“ 3D-Druckexperten legt Kühr den FDM-Drucker HT500 von Kühling&Kühling nahe. Er druckt in Industriequalität und besitzt zwei Düsen für Materialmixing. Der Drucker muss jedoch vor jeder Nutzung kalibriert und die Software eingerichtet werden.

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Experten empfiehlt 3YOURMIND CEO Stephan Kühr den HT 500 von Hersteller Kühling&Kühling

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Über alexander

Nach meinem Abschluss als Bachelor of Science in Wirtschaftswissenchaften in Deutschland suchte ich den Weg ins Ausland, um mich neuen Herausforderungen zu stellen. Als International Business & Economics Masterstudent an der Universität Pavia, Italien, bin ich seit Juli 2016 Teil des 3Dnatives Team. Das Interesse für den 3D-Druck entwickelte ich, als ich erfahren habe, welche unglaublichen Möglichkeiten hinter dieser technologischen Revolution stecken und dass das volle Potential noch lange nicht ausgeschöpft ist. Diese Entwicklung zu verfolgen und aktiv mitzugestalten ist sehr aufregend. Neben meinen Interessen für Technik und Wirtschaft bin ich großer Film- und Sportfan.